Kultur

„Palais Populaire“: Früher gab es Kuchen, jetzt Kunst

Ende September eröffnet das neue Kulturzentrum der Deutschen Bank im Prinzessinnenpalais. Bis 2014 war hier das „Operncafé“

Was kommt heraus, wenn Springer-Chef Mathias Döpfner eine Luxusimmobilie Unter den Linden erwirbt und an die Deutsche Bank vermietet, damit sie dort ihre Kunstsammlung zeigt? Überraschenderweise ein „Palais Populaire“. Ein neuer, volksnaher Kunstort, von den Machern beworben als unelitäres „transparentes Haus für alle“, wie Thorsten Strauß, zuständig für den Bereich Kunst, Kultur und Sport, zur offiziellen Vorstellung am Mittwoch sagte.

Das Palais Populaire im Prinzessinnenpalais ersetzt die ehemalige Deutsche Bank Kunsthalle und will gleichzeitig viel mehr sein. Von weltweit rund 800 Standorten, an denen sich bankeigene Kunstwerke befinden, werden hier in Zukunft Ausstellungen zusammengezogen. Darüber hinaus sollen Bildungsangebote, Lesungen, Talkformate und Gastronomie das Haus im öffentlichen Leben verankern. Ungewöhnlich dabei ist die angestrebte Verschmelzung von Kunst und Kultur mit Sport. Die würde beispielsweise in „Parkour“-Kursen rund um das Haus ihren Ausdruck finden. „Deutschland braucht mehr Cross-over“, kommentiert Strauß und nennt Länder wie Großbritannien oder die USA als Vorbilder.

Zum Kernkonzept des Hauses gehört auch die durchgehende Digitalisierung. Wer nicht „mit Kunstwerken chatten“, sondern sie nach wie vor lieber anschauen will, ist aber immer noch richtig. Das Haus ist wie geschaffen für zeitgemäße Ausstellungen, nachdem es aufwendig restauriert und umgebaut wurde. Hinter der historischen Fassade verbirgt sich die DDR-Moderne von Bauhausschüler Richard Paulick. Paulick hatte die ehemalige Hohenzollern-Residenz zum „Operncafé“ gemacht, das ein beliebter Ostberliner Szenetreffpunkt wurde.

Die Ausstellungsfläche ist jetzt dreimal so groß wie die der alten Kunsthalle und verteilt sich auf drei Etagen. Vom 27. September 2018 bis 7. Januar 2019 wird die Eröffnungsausstellung „The World on Paper“ mit rund 300 Papierarbeiten der Nachkriegsmoderne gezeigt. Eine internationale Schau mit 133 Künstlern aus mehr als 30 Ländern, der langjährige Schwerpunkt der Sammlung auf deutschen Künstlern bleibt trotzdem spürbar. Zu den Highlights zählen Bleistiftzeichnungen von Gerhard Richter, ein comicartiges Biennale-Tagebuch von Jörg Immendorff und 53 Zeichnungen von Joseph Beuys.

Palais Populaire, Unter den Linden 5, Mitte, Tickets: 9 Euro, bis 18 Jahre und montags frei