Festival

Lollapalooza in Berlin: Tanzen, hüpfen, singen

Rund 100.000 Besucher kommen zum Lollapalooza auf das Olympiagelände. Auch am Sonntagabend gibt es Einlassstopps.

Berlin. „Glückliche Menschen, die gemeinsam Spaß und eine gute Zeit haben“, beschreibt Janika Föst in wenigen Worten, warum sie das Lollapalooza-Festival so mag. Viel geschlafen habe sie nicht, erzählt die 20 Jahre alte Berlinerin. Am Sonnabend habe sie das Festivalgelände am Berliner Olympiapark um Mitternacht verlassen. Am Sonntag sei sie schon um elf Uhr wiedergekommen – wie viele das Gesicht mit Glitzer geschminkt. „Das gehört einfach zum Lolla dazu, wie die Micky-Maus-Ohren zum Disneyland“, lacht Fösts Freundin Milena Steinbach.

Sechs verschiedene Bühnen wurden in und um das Berliner Olympiastadion aufgebaut. Eine im Stadion selbst, fünf weitere darum und auf dem Maifeld. Rund 100.000 Zuschauer feierten das gesamte Wochenende. Es sei so gut wie ausverkauft gewesen, sagte Festival-Sprecher Tommy Nick. Mehr als 60 Musiker aller Musikrichtungen – Rock, Hip-Hop, Elektro, Pop – traten auf dem Lollapalooza auf, das seine Ursprünge in den 90er-Jahren in den USA hat.

Schon am Sonnabendnachmittag waren auf dem Maifeld Zehntausende unterwegs. Als der Rapper Casper am frühen Abend eine der beiden Hauptbühnen betrat, strömten jubelnde Menschenmassen hin. Casper rief auch dazu auf, gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit die Stimme zu erheben. Damit sollte er nicht der Einzige bleiben. Auch die Kreuzberger Rap-Gruppe K.I.Z., die wie auch Casper in Chemnitz in der vergangenen Woche gegen rechte Aufmärsche angesungen hatte, forderte zur Wachsamkeit gegen Extremismus auf.

Veranstalter verteidigt Einlassstopp bei David Guetta

Viele Zuschauer erlitten am Sonnabend aber eine herbe Enttäuschung, als Star-DJ David Guetta auf der Bühne im Olympiastadion auflegte. Nur 25.000 Menschen durften rein. Wegen Überfüllung gab es einen Einlassstopp. Zu Tausenden verließen enttäuschte Fans frühzeitig das Festival. In den sozialen Medien wurde beklagt, dass die Ränge nicht geöffnet wurden, um mehr Platz zu schaffen. „Wir hatten mit der Polizei über Monate ein Sicherheitskonzept erarbeitet, da können wir natürlich nicht einfach so die Ränge öffnen“ , erklärte Sprecher Nick gegenüber der Berliner Morgenpost. Er räumte aber ein, dass man auch nicht mit diesem Andrang gerechnet habe. „Das tut uns wirklich leid! Wir können absolut verstehen, dass die Emotionen hochkochen, wenn Vorfreude und Erwartungen nicht erfüllt werden.“

Zu ähnlichen Szenen kam es am Sonntagabend. Wie die Polizei beim Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, wurde gegen 20 Uhr zu Zugang zum Olympiastadion gesperrt. Dort traten am Abend das Berliner Hip-Hop-Dio SXTN und House-DJ Kygo auf. Die Polizei empfahl den Besuchern die Show der Elektro-Pioniere von Kraftwerk.

Der Sonntag stand beim Lollapalooza im Zeichen des Hip-Hop aus Stuttgart – der „Mutterstadt“. Hier gründeten sich Ende der 80er-Jahre Deutschlands erste Rap-Gruppen, angeführt von den Fantastischen Vier und dem Freundeskreis. Und genau der hatte auf dem Lollapalooza auch einen Auftritt. Die Hip-Hop-Kombo rund um Sänger Max Herre feierte jüngst erst ihr 20-jähriges Bestehen. Überraschend standen auch Afrob, Megaloh und Joy Denalane mit auf der Bühne.

Doch auch internationale Stars fehlten am Sonntag nicht. Die britische Sängerin Dua Lipa, die für die letzte Fußball-Weltmeisterschaft das offizielle Lied beisteuern durfte, legte vor ihren Fans ein Fitnessprogramm ab: hüpfen, rennen, tanzen. Und das Ganze noch mit einem überzeugenden Live-Gesang. Liam Gallagher, Ex-Oasis-Sänger, konnte mit dieser energiegeladenen Bühnenshow zwar nicht mehr mithalten. Aber ihn und Dua Lipa trennen auch 22 Jahre.

Neben Musik und politischen Botschaften stand beim Lollapalooza aber auch das Drumherum im Mittelpunkt. Im Sommerbad neben dem Olympiastadion traten Wasserballett-Gruppen auf. Unterhalb wurde ein kleines Zirkusdorf aufgebaut. Bunt gekleidete Schausteller auf Stelzen liefen an den Zirkuszelten vorbei. Wer nicht mit Strasssteinen oder Glitzerpuder im Gesicht kam, konnte sich hier schminken lassen. Auf der anderen Seite gab es ein Riesenrad und überall Essens- und Getränkestände, an denen allerdings nicht bar bezahlt werden konnte.

Stattdessen bekam jeder Besucher einen Elektrochip, den man mit Geld aufladen konnte. An den Aufladestationen zwangen die Schlangen die Festivalgänger teils zu sehr langem Warten. Und auf den Damentoiletten im Stadion ließ die Hygiene sehr zu Wünschen übrig. Sie wurden am Sonnabend lediglich einmal gereinigt und waren abends kaum noch benutzbar.

Veranstalter wollen auch 2019 in den Olympiapark

Positiv wurde vor allem der eigens eingerichtete, etwas abseits liegende Kinderbereich „Kidzapalooza“ aufgenommen – mit einer eigenen Bühne und allerlei Spielmöglichkeiten. „Das ist super hier – nicht zu laut. Da haben sie im Vergleich zu den letzten Malen echt dazugelernt“, lobte René Müssing, der mit seiner siebenjährigen Tochter Sophie extra aus Gießen angereist ist. Er hoffe, dass das Lollapalooza auch im kommenden Jahr am Olympiastadion stattfindet. Auch die Veranstalter wollen am Austragungsort festhalten.

+++ Berlin-Podcast +++ Um die organisatorischen Probleme beim Lollapalooza geht es auch im Podcast "Molle und Korn" :

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