Kultur

Neues Theaterstück in Mitte schon für Zweijährige

Das Grips Theater spielt den Szenenreigen „Vier sind hier“ für Menschen ab zwei Jahren im Podewil. Kann das funktionieren?

Die Hose ist ganz schon groß: Szene aus „Vier sind hier“, eine Grips-Inszenierung für Menschen ab zwei

Die Hose ist ganz schon groß: Szene aus „Vier sind hier“, eine Grips-Inszenierung für Menschen ab zwei

Foto: GRIPS Theater / David Baltzer

Berlin. Selbst auf Zehenspitzen kommt Adin nicht an die Tischkante ran. Hüpfen hilft ihr nicht. Genauso wenig wie ein Hocker. Doppelt so hoch wie sie, ist der Tisch einfach zu groß, um allein ein Tuch drauf zu legen. Wenn man klein ist, stellt die Welt einen vor ungeahnte Herausforderungen. Erst, als Ori, Tatu und Fimm auftauchen und mithelfen, klappt es mit dem Tuch. Dafür gibt es heftigen Szenenapplaus von den zwei- bis vierjährigen Zuschauern. Sie kennen die Problematik nur zu gut. Sind sie doch schließlich permanent von zu großen Dingen umgeben.

Alles eine Sache der Perspektive im neuen Stück „Vier sind hier“ für Menschen ab zwei Jahren im Grips Podewil. Eine zauberhafte Produktion für die Allerkleinsten, kurzweilig inszeniert von Sabine Trötschel. Um das Leben aus der Sicht der Kinder zu verstehen, hat das Ensemble Kitas besucht. Danach wurden die Beobachtungen in einem Szenenreigen unter und um den Riesentisch verdichtet.

Die Uraufführung ist nicht einfach der Auftakt einer neuen Spielzeit, sondern einer ganz besonderen Theatersaison. Das Theater feiert einen runden Geburtstag: „50 Jahre Grips!“ Gegründet wurde es von Volker Ludwig. Er zog sich anlässlich seines 80. Geburtstags aus der künstlerischen Leitung zurück und übergab die Verantwortung an Philipp Harpain. Ludwig machte das Grips weit über die Grenzen Berlin hinaus bekannt, landete nicht nur mit dem Megaerfolg Stück „Linie 1“ einen weltweiten Bühnenhit.

Anfang 2013 zeigte das Grips übrigens erstmals mit „aneinander – vorbei“ ein Stück für Menschen ab zwei. Damals wie heute ein Wagnis. Denn die Aufmerksamkeitsspanne dieser Altersgruppe ist bekanntlich kürzer als die einer Eintagsfliege. Und sie reagieren auf Geräusche oder Situationen anders als Ältere. Mit Angst etwa oder Aufregung. Bei der nunmehr dritten Produktion ab zwei gibt es daher die Ansage, dass Kinder mit ihren Eltern zwischendurch rausgehen und später wieder reinkommen können. Was genutzt wird. Allerdings erstaunlich selten.

Versammelt in den vorderen Reihen, sind die Kids nämlich mit Leidenschaft und vielen lustigen Zwischen- und Anfeuerungsrufen voll dabei. Natürlich bedarf es einer eigenen Bildsprache, um die Winzlinge zu fesseln. Bildhaft, fantasievoll und assoziativ. Mit einem riesigen Ball. Oder einem knallroten Mini-Klavier, vor das sich Pianist Martin Fonfara mit umständlicher Geste auf den Boden setzt. Hinter ihm schauen die Spieler Regine Seidler, René Schubert und Asad Schwarz-Msesilamba durch eine gigantische Brille auf das Notenblatt, um dann textsicher „Lalala“ anzustimmen. Ein Gag, der die Erwachsenen kichern lässt.

In Mikro-Szenen verkracht, schmollt und liebt sich das Quartett, jagt Schatten-Schmetterlinge und spielt Verstecken. Nach knapp 50 Minuten winken die vier die Kids auf die Spielfläche. Die denken sich unterm Tisch umgehend ihre eigenen Geschichten aus. Ganz wild und poetisch, angeregt durch das Stück. Es war bestimmt nicht der letzte Theaterbesuch der Kleinen.

Grips Podewil, Klosterstraße. 68, Mitte,
Tel.: 397 47 40. Nächste Vorstellungen: 8.
und 29. September (ausverkauft) , 27. und 28. September, 1., 16., 17., 30. und. 31. Oktober, jeweils 10 Uhr

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