Mercedes-Benz-Arena

U2-Konzert in Berlin: Mitsing-Hymnen und Polit-Pathos

„Beautiful Berlin. Ich liebe Dich.“ Bono preist die Stadt, schimpft auf Trump und die AfD. Ein Hit-Feuerwerk gibt es natürlich auch.

Bono in der Mercedes-Benz-Arena

Bono in der Mercedes-Benz-Arena

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. U2 haben mal in einem Interview scherzhaft behauptet, sie seien die lauteste Folkband der Welt. Wenn die vier Iren loslegen, glaubt man ihnen sofort. Sie beherrschen aber natürlich auch die leisen Töne, wie sie jetzt wieder eindrücklich in der ausverkauften Mercedes Benz Arena bewiesen.

Nach der Stadiontour 2017 kehrt U2 für zwei Abende zurück nach Berlin. Es ist der Europa-Auftakt zu ihrer aktuellen „eXPERIENCE + iNNOCENCE“-Tour. Technisch eine Weiterentwicklung der Hallenshow von 2015. Unter anderem mit einer neuen, neunmal hochauflösenderen LED-Leinwand. Ein Wahnsinns-Spektakel mit 360-Grad-Bühne. Und selbstredend ein absolutes Hit-Feuerwerk.

Es ist ein Mix aus alten Songs wie „I will follow“ und „A beautiful day“ sowie neuen Liedern wie „Lights of home“ und „Cedarwood Road“, mit dem U2 die Fans begeistern. Dabei geben sich Frontmann Bono, Gitarrist The Edge, Bassist Adam Clayton und Drummer Larry Mullen jr. extrem lässig und bestens aufgelegt.

Es sind die Mitsing-Hymmen wie „A new years day“, die bei den Fans für besonders großes Vergnügen sorgen. Selbstredend hat die irische Band davon viele im Gepäck. Dazu gibt es lautstarke Kracher wie „Elevation“. Bono hat da seinen schwarzen T-Shirt-mit-Jacke-Look durch einem Zylinder aufgepeppt. Und geht auf einer Bühne mitten im Publikum immer mal wieder auf Tuchfühlung mit den Zuschauern. Überhaupt sind die Vier durch den Laufsteg, der längs durch die Arena geht, nah dran an den jubelnden Fans.

Wie gewohnt, hat Bono auch politische Botschaften. Mit mephistophelischer Maske auf dem LED-Screen verfremdet, wendet er sich gegen Donald Trump und gegen die AfD, gegen den furchterregenden Aufstieg von Rechtsextremen und Nazis überall. Er fordert auch, nach den Ereignissen von Chemnitz gegen den Hass aufzustehen und singt „Pride. In the name of Love“, einen der größten Hits der Band.

Bono erfährt dafür erfreulich viel Zustimmung. Seine Message bringt er mit großen Gesten rüber. Ohne geht es beim 58-Jährigen bekanntlich nicht. Er wäre bestimt gern der Avenger der Rockmusik. Ausgestattet mit Superkräften, um alle Übel der Erde zu bekämpfen. Ein schöner, wenngleich frommer Wunsch. Denn leider hat es noch kein Musiker geschafft, globale Krisen in Luft aufzulösen. Auch Bono nicht, der sich quasi unentwegt mit den politischen Mächtigen trifft.

Ein Lichtermeer aus Tausenden Smartphones

Im Mittelpunkt steht trotz der zuweilen ernsten Töne aber natürlich die Musik. Und da erweisen sich U2 erwartungsgemäß als eine der besten Bands der Welt. Die bekennt sich unter riesiger Europaflagge zum alten Kontinent. Doch damit nicht genug. Plötzlich ist die Berliner Skyline auf der LED-Leinwand zu sehen und Bono dankt der Stadt: „Beautiful Berlin! Ich liebe Dich!“

Nach über zwei Stunden geht das fulminante Konzert zuende. Unter den Zugaben: „One“. Noch einmal spricht Bono davor über Chemnitz. Gegen den Hass. Steht der wohl schönste Song der Band doch für allumfassende Liebe. Vielfach gecovert, unter anderem vom großen Johnny Cash. Aber selbst er hat bei weitem nicht für das Gänsehaut-Feeling gesorgt wie Bono mit seiner unverwechselbaren Stimme. Dazu verwandelt sich die Arena in ein Lichtermeer aus Tausenden Smartphones.

Ein Abend, mit dem U2 einmal mehr zeigen, warum sie auch nach 40 Jahren erfolgreicher Karriere die Herzen der Fans höher schlagen lassen.