Sommerfest

Wo Technik und Kunst zusammenkommen

Das Rathgen-Forschungslabor öffnet zum Sommerfest in Charlottenburg seine Räume.

Stand in Dahlem: Das Luf-Boot  wurde auf Schädlinge untersucht und  anschließend  „entwest“.        Es wird  künftig im Humboldt Forum zu sehen sein

Stand in Dahlem: Das Luf-Boot wurde auf Schädlinge untersucht und anschließend „entwest“. Es wird künftig im Humboldt Forum zu sehen sein

Foto: SPK/Stefan Müchler

Die Südsee-Boote aus den Museen in Dahlem „ankern“ längst im Humboldt Forum. Noch dick verpackt in riesigen Kisten als Schutz vor Verschmutzung durch Bauschutt. Ein 1906 erworbenes Mini-Modell mit handgroßen eingerollten Segeln und winzigen Paddel wird in einer Vitrine im Rathgen-Forschungslabor an der Schloßstraße 1 präsentiert.

Das hat seinen guten Grund: die Luf-Boote wurden vor ihrem Umzug von Mitarbeitern des Rathgen-Forschungslabors per Radarsensorik auf Schädlinge untersucht. Dazu wurde eine „Restaurierungsstraße“ eingerichtet, wo am Ende 20 Großobjekte in weißen Zelten „entwest“ – also von eventuellen Schädlingen befreit wurden. „Sie waren aber nicht aktiv“, wie Direktorin und Chemikerin Ina Reiche erklärt. Wie diese Methode funktioniert und welche Bedeutung das eigentlich nicht für Publikumsverkehr bestimmte Rathgen-Forschungslabor hat, zeigt die Ausstellung „Natur – Wissenschaft in der Kunst“ beim heutigen Sommerfest. Gemeinsam ausgerichtet vom Rathgen-Forschungslabor und den Museen Berggruen und Bröhan im Gebäudeensemble direkt am Schloss Charlottenburg. Die Forschungsinstitution ist die naturwissenschaftliche Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), die sich mit der Untersuchung archäologischer, kunstgeschichtlicher und völkerkundlicher Objekte beschäftigt. Dort geht es um Fragen zu Alterung, Klima, Licht, um die Bedingungen bei der Präsentation und die Optimierung der Restaurierung. Zu den untersuchten Materialien gehören Federn, Stein, Korallen, Elfenbein. Konservatoren beispielsweise müssen wissen, ob sie vergilbten Firnis wegnehmen dürfen oder aus welchen Pigmenten Farbaufträge bestehen. Daran erkennt man auch Fälschungen, wenn etwa Farbpartikel jünger sind als beim Original. „Bei Pigmenten kennt man das Kaufdatum. Wenn das Objekt von 1913 stammt und Pigmente enthält, die 1920 auf dem Markt waren, weiß man, da stimmt etwas nicht“, so Reiche. Die Röntgen- und Mikroskop-Räume können bei Führungen angeschaut werden. Zwei Dokumentationen von Joel Olivier zeigen die Arbeit im Vergleichslabor im Louvre, das rund 1200 Museen in ganz Frankreich betreut. Neueste Spitzentechnologie ist dort zu bestaunen, dagegen erinnert, sorry, einige Gerätschaft in Charlottenburg arg an den Chemieunterricht in den 80er-Jahren.

Ein „Sorgenkind“ für das Rathgen-Team war die mexikanische Landkarte „Lienzo Seler II“ aus dem 16. Jahrhundert, die auf einem Baumwolltuch aufgebracht ist. Typisch für die frühe Kolonialzeit im 16. Jahrhundert.

46 Jahre verbrachte das 16 Meter große Gewebe in einer Großvitrine im Ethnologischen Museum, im Humboldt Forum soll es nun zentral ausgestellt werden. Die Analyse zeigt, es ist verblichen. „Es darf nicht so viel Licht bekommen“, so Reiches Vorgabe für die Neupräsentation.

Sommerfest von Rathgen-Forschungslabor, Bröhan-Museum und Museum Berggruen:
2. August, 17.30 Uhr bis 22 Uhr. Eintritt frei.