Ausstellungen

Verein Berliner Künstler - Zeit zum Aufbruch

Der traditionsreiche Verein Berliner Künstler will sein Haus öffnen – nun steht ein Ausbau an.

Sie managt den VBK: Künstler und Vorstandvorsitzende Sabine Schneider

Sie managt den VBK: Künstler und Vorstandvorsitzende Sabine Schneider

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Geschätzt 10.000 Künstler gibt es in Berlin, rund 400 Galerien, ausstellen möchte eigentlich jeder. Da darf man sich nun ausrechnen, wer am Ende überhaupt eine Ausstellung bekommt. Als sich 1841 der Verein Berliner Künstler (VBK) gründete, war die Idee dahinter revolutionär: die Selbstverwaltung der Künstler, eigene Vernissagen, auch wenn sie damals nicht so hießen, – und dazu die Einrichtung der Witwenrente durch die Genossenschaft. Mäzene aus großbürgerlichen Kunstkreisen sorgten für die finanzielle Ausstattung. Adolph Menzel und Max Liebermann gehörten zu den prominenten Vertretern – mit der Mitgliedschaft verband sich also ein gewisses gesellschaftliches Standing. Legendär sind die rauschenden Kostümfeste, gut sichtbar auf den historischen Fotos, die heute im Archiv der Akademie der Künste lagern. Nach dem Krieg machten sich die Künstler zur Aufgabe, die geistige Isolierung aufzuholen und an die internationale Kunst anzuschließen. Eins erstaunt dann doch: So modern der Verein einerseits war, so konservativ war er im Umgang mit Künstlerinnen, bis 1990 war der Verein nur Männern vorbehalten. Die Wende brachte den Umschwung für die Frauen. Nur 90 Jahre früher wurden die ersten Künstlerinnen an den Akademien zugelassen.

Der älteste Künstlerbund in Deutschland

Den VBK als ältesten Künstlerverband Deutschlands gibt es heute noch mit Sitz am Schöneberger Ufer Nr. 57. Hinter der Galerie befindet sich ein verwunschener Skulpturengarten. „Wir machen unsere Ausstellungen selber und müssen nicht auf einen Galeristen warten“, erzählt die Künstlerin und Vorstandsvorsitzende Sabine Schneider. „Die Bedingungen in der Berliner Kunstszene sind schwierig“, ergänzt sie. Im Haus Nr. 57 wird alles selbst organisiert und konzipiert, Kataloge, Einladungskarten, acht bis zehn Ausstellungen gibt es pro Jahr.

Ideal ist der Standort in unmittelbarer Nachbarschaft zur Neuen Nationalgalerie, Kulturforum und der Staatsbibliothek zur anderen Seite. Um die Ecke liegt der Galerien-Hotspot Potsdamer Straße.

Man möchte meinen, der traditionsreiche VBK mit seiner Selbstverwaltung liegt im Zeitgeist. Leider sieht es in der Realität anders aus. Das bürgerliche Standesbewusstsein der Künstler im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ist längst einem Individualismus gewichen. Zudem bräuchte der Verein wohl einfach mehr Lobby – und erfolgreiche und junge Künstler mit frischen Ideen. Momentan zählt der Verein 120 Mitglieder im Alter zwischen 39 bis 91 Jahren. Eberhardt Purrucker, der Älteste, stellt gerade dort aus. „Die jungen Künstler kommen nicht, sie fürchten die Verpflichtungen, die Selbstverwaltung mit sich bringt“, so erklärt Schneider das Nachwuchsproblem. Wir wissen, die Arbeit in Selbstverwaltungsgremien kann mitunter arg zeitaufwendig sein.

Natürlich weiß Schneider, dass die Ausstellungsräume dringend eine Auffrischung benötigen. Einiges wirkt nicht mehr zeitgemäß, der öffentliche Auftritt bräuchte deutlich mehr Pep. Zeit also zum Aufbruch. Der erste Schritt ist gemacht: Es gibt Planungen zur Sanierung der Ausstellungsräume, einem Dachausbau sowie einer Geschossaufstockung des teilweise kriegszerstörten Seitenflügels.

Ihr Arbeitstitel für die Architektur lautet: die „Scheune“, in ironischer Anspielung auf den Neubau der Nationalgalerie von Herzog & De Meuron an der Potsdamer Straße. Das Dachgeschoss soll für Mieter im Bereich Kunst und Kultur geöffnet werden. Auch an ein Artist-in-Residence-Programm ist gedacht, dies könnte einen lebendigen Austausch im gesamten Haus befördern, hofft Schneider. Kommunikativer, offener soll alles werden. Sie selbst arbeitet ehrenamtlich, muss sehen, dass ihre eigene künstlerische Arbeit nicht in den Hintergrund rückt.

Architekt Hans Düttmann, Sohn des früheren Senatsbaudirektors, ist mit dem Projekt betraut. 2,5 Millionen Euro sind für die Baumaßnahmen eingeplant, eine ähnliche hohe Summe wie beim Umbau des Hauses am Waldsee in Zehlendorf. Schneider hat viel recherchiert und weiß nun, dass das 1858 erbaute Haus ein weiteres Stück Berliner (Kultur-)Geschichte birgt. Rahel Hirsch lebte bis 1919 hier. Sie war die erste Frau, die in Deutschland zur Professorin für Medizin ernannt wurde. 1938 immigrierte sie nach London.

Das denkmalgeschützte Haus selbst gehört dem Verein, 1964 kaufte er die Immobilie für einen heute sensationellen Preis von 110.000 D-Mark. Damals wollte keiner in den Schatten der Mauer ziehen. Nur: Das Kapital steckt im Gebäude, ein Finanzierungskonzept wird gerade erarbeitet. Der Verein erhält keine institutionelle Förderung, lebt von den Mitgliedsbeiträgen und dem Förderverein. Große Sprünge kann man damit nicht machen. Der Kultursenator schießt bevorzugt Gelder in die Freie Szene und in künstlerische Projekträume. „Da fallen wir raus“, so Sabine Schneider, „wir passen in keine Sparte.“

Verein Berliner Künstler, Schöneberger Ufer 57, Di.–Fr. 15–19 Uhr, Sbd./So. 14–18 Uhr