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Warum ist Ed Sheeran der größte Popstar unserer Zeit?

Am Donnerstag kommt Popsänger Ed Sheeran für ein bereits ausverkauftes Konzert nach Berlin. Was ist das Geheimnis seines Erfolges?

Sein Konzert im Olympiastadion ist schon seit Monaten ausverkauft: Der Brite Ed Sheeran, 27 Jahre alt

Sein Konzert im Olympiastadion ist schon seit Monaten ausverkauft: Der Brite Ed Sheeran, 27 Jahre alt

Foto: Warner Music

Aufhalten kann ihn zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere höchstens noch die Natur. Eine kleine Privatkapelle hat Ed Sheeran bauen wollen, und zwar auf seinem sehr großen Grundstück in der ostenglischen Provinz Suffolk. Hier wuchs Ed in jenem Ort Framlingham auf, dem er in seinem Song „Castle On The Hill“ ein Denkmal setzte, und hier hat er eben auch heute, nach Jahren in London, wieder seinen Lebensmittelpunkt. 15 Meter hoher Turm, Platz für 24 Menschen, nicht-konfessionell, was man halt so braucht, wenn man kleine private Feiern wie Taufen oder Trauungen daheim abhalten will. Doch das örtliche Bauamt genehmigte das Gotteshäuschen nicht. Ed Sheeran muss seine Verlobte Cherry Seaborn, in die er schon als Schüler verknallt war und mit der er seit drei Jahren fest zusammen ist, nun also wohl oder übel woanders heiraten.

Und warum? Weil, so Tierschützer, eventuell der Kammmolch auf Sheerans Grund und Boden lebt und laicht, das Kapellchen käme der Entfaltung des Kaltblüters in die Quere, Pech gehabt. Zuletzt schon vagabundierte Sheeran auf der Suche nach einem Ort für ein Open-Air-Konzert naturschutzbedingt durchs halbe Rhein-Ruhr-Gebiet, erst ließ man ihn nicht auf dem Flugplatz Essen/ Mülheim (wegen der Feldlerche), dann nach viel Tamtam auch nicht auf dem Düsseldorfer Messeparkplatz (wegen zu fällender Bäume) spielen.

Vermögen im dreistelligen Millionenbereich

In Berlin stand Sheerans Auftrittsort Olympiastadion glücklicherweise nie zur Debatte, das Olympiastadion ist seit Monaten ausverkauft, und er wird den Laden im Griff haben. „Je größer das Publikum, desto mehr Spaß macht mir das Konzert“, sagt er. Für seine Show braucht Ed Sheeran keinen Firlefanz, ja er braucht nicht einmal eine Band. Ganz alleine steht er auf der großen Bühne, singt und bedient die akustische Gitarre.

Für alle anderen Instrumente bedient er seine Loop-Station, also ein Gerät, auf dem er vorab aufgenommene Tonspuren abspielt. So, wie Ed Sheeran in diesem Sommer – auf dem vorläufigen Höhepunkt seines Triumphzugs durch die Welt – in den allergrößten Stadien spielt, könnte er sich auch an jede x-beliebige U-Bahn-Haltestelle oder Imbissbude stellen. Überschaubare Mittel, gigantische Wirkung.

Aber warum eigentlich ist Ed Sheeran, dieser leicht übergewichtige Normalo, der größte männliche Popstar unserer Zeit? Der, den irgendwie alle zumindest okay finden? Der kaum polarisiert? Robbie Williams, den Ed in Sachen Popularität längst hinter sich gelassen hat, versuchte sich in der „Manchester Evening News“ kürzlich an einer Erklärung: „Er ist der Tom Hanks der Popmusik. Jeder mag ihn. Er ist ein netter Kerl und ein guter Mensch. Und er scheint von seinem unglaublichen Erfolg absolut unbeeindruckt zu sein.“

Mit seinen 27 Jahren dürfte sich Sheeran mittlerweile ein dreistelliges Millionenvermögen zusammenmusiziert haben, ansehen kann man ihm den Reichtum nicht. Er läuft mit Kapuzenpullis, Jeans und Turnschuhen immer noch so rum wie alle anderen Twentysomethings, und wenn er daheim ist, fährt er Mini, sagt er. Ed Sheeran ist der Phil Collins der Generation Youtube. Sieht aus wie der Durchschnittsjunge von nebenan, aber schreibt Songs, mit denen er ein unglaublich breitgefasstes Publikum vom Grundschulkind bis zum Greis erreicht. Seine Lieder sind auch deshalb so genial, weil sie sich anhören, als seien sie schon immer dagewesen. Plagiatsklagen, ja, die gibt es, aber bisher war noch keine erfolgreich.

Soundtrack für neuen James-Bond-Film bereits geschrieben

Sein bislang größter Hit (und überhaupt global der meistverkaufte und meistgestreamte Song des Jahres 2017) hat keine komplizierte Melodie und keinen komplizierten Inhalt, ist aber durch den dezenten Einsatz von Beats und einen persönlich wirkenden Text, unter anderem über ein Date in einem chinesischen Schnellrestaurant, fesselnd genug, dass einen interessiert, was Ed da singt.

Er ackert für den Erfolg. Songs kann er überall schreiben, dafür hat er ein Händchen, meist geht es schnell. Sein Talent für Melodien ist außergewöhnlich, seine Begabung ein rares Gut. Eine überdurchschnittliche Emsigkeit kommt dazu. Am Anfang, mit 18, 19, spielte er 300 Konzerte pro Jahr, pennt eine Weile bei Schauspieler Jamie Foxx auf dem Sofa, als er Kontakte in Los Angeles sucht und sammelt quasi jeden seiner zig Millionen Follower bei Twitter, Instagram, Facebook und so weiter persönlich ein. Auch jetzt gibt er sich in den sozialen Medien noch nahbar, postet etwa gern Katzenfotos oder den Lego-Bagger, den er gerade gebaut hat. Das schafft natürlich Nähe. Und er ist verdammt ehrgeizig: Den Titelsong für den nächsten James-Bond-Film, der Ende 2019 anlaufen soll, hat er schon geschrieben. Nur für den Fall.

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