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Konzertkritik

Joan As Police Woman war nicht witzig aber großartig

Mit den Witzen wollte es nicht klappen beim Konzert von Joan As Police Woman im Lido. Dafür saß jeder Ton perfekt.

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Joan As Police Woman spielt jeden Ton perfekt (Archiv)

Foto: picture alliance / POP-EYE

Berlin. Joan Wasser hat wirklich versucht, lustig zu sein, Witze über Jetlag und Fahrradfahren erzählt, sie hat ihre neue Barbie-Pinke Gitarre vorgestellt („Sie heißt Man“), aber nie hat das Publikum lachen wollen. Und ganz am Ende des Konzert muss sie kleinlaut zugeben: „Ich bin einfach nicht lustig genug.“

Aber trotzdem hat sie es geschafft, dass im Lido am Abend mehr Generationen Anwesend waren als in einem U-Bahnwagen. Joan As Police Woman hat sie alle zum Tanzen und Kuscheln gebracht. Dabei hatte man fast mit einem eher ruhigen, fast deprimierendem Programm gerechnet. Bei ihrem letzten Konzert im Herbst spielte sie vor allem die langsamen Nummern ihres aktuellen Albums „Damned Devotion“. Dieses Mal startete sie mit „Steed“, einer schnellen funkigen Nummer und fuhr im gleichen Tempo fast bis zum Ende der Show fort.

Den Höhepunkt des Abends widmete sie ihrem Vater

Joan Wasser hat sich den etwas martialischen Künstler-Namen „As Police Woman“ gegeben, weil sie angeblich der US-Schauspieler (und Kennedy-Geliebten) Angie Dickinson ähnlich sehen soll. Die wiederum trat in den 70ern in der Serie „Police Woman“ auf. Eine gewisse fast beamtische Ernsthaftigkeit könnte man maximal erkennen, was ihre Arbeit auf der Bühne angeht. Jeder Ton sitzt, ob auf dem Keyboard, der Gitarre oder der Geige.

Die gelernte Violinistin spielte ein fast magisches Solo, blau von sechs Strahlern angestrahlt - und benutzte die Geige dann als E-Gitarre für ihren frühen Hit „Christobel“. Von denen spielte sie viel, auch „Eternal Flame“ und „Run For Life“.

Der Höhepunkt des Abends war dann, als sie auch nicht lustig sein wollte, sondern ganz ernsthaft den Song „What it was Like“ ihrem Vater widmete, den sie vor ein paar Jahren verloren hat. Er habe ihr einen wichtigen Satz mitgegeben: „Ich hab nie verstanden, was es mir bringen sollte, über jemanden ein Urteil zu fällen.“ Sie sang ihn vier Mal, diesen Satz, an diesem Abend. Und beendete den Song mit dem größten Kompliment, dass man jemandem machen kann: „Du warst immer für mich da.“ Und ja, Joan liebt Berlin - und dem Vernehmen nach wird das erwidert.