Kunsthandel

Florian Illies verlässt die Villa Grisebach

| Lesedauer: 4 Minuten
Gabriela Walde
In der Villa Grisabach: Florian Illies (r.) zusammen mit Bernd Schultz

In der Villa Grisabach: Florian Illies (r.) zusammen mit Bernd Schultz

Foto: Amin Akhtar

Er bleibt bis Ende des Jahres und weiterhin im Beirat des Hauses in der Fasanenstraße. Sein neuer Job könnte „Synergieeffekte“ bringen.

Berlin. Die kommende Herbstauktion in der Villa Grisebach wird Florian Illies noch begleiten, doch am 31. Dezember des Jahres verlässt er als Gesellschafter und Geschäftsführer das Haus in der noblen Fasanenstraße. Er werde sich „einer neuen Aufgabe außerhalb des Kunsthandels“ widmen, heißt es auf der Webseite des Unternehmens, reichlich versteckt unter dem Bereich „Service“, Abteilung Presse. Kunden und Sammler der Villa werden diese Information also kaum finden, sollten sie nicht ganz explizit danach suchen. Grisebach gilt als führendes Auktionshaus in Deutschland.

Das Aushängeschild für das Haus in der Fasanenstraße

Wie geht es nun weiter bei Grisebach? Grisebach-Patron Bernd Schultz mag diesen Abschied nicht kommentieren. Stattdessen legt er uns Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ vor. „Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe“, heißt es dort, „bereit zum Abschied sein und Neubeginn.“ Eine Mischung zwischen Melancholie und Aufbruch. Das soll vermutlich heißen: Einen außergewöhnlichen Menschen wie Illies kann man nicht halten, wenn er gehen möchte.

Und es heißt auch: Sein Weggang ist ein Verlust für das Haus, seine Ideen werden fehlen. Immerhin war der frühere Journalist und Erfolgsautor („Generation Golf“ , „1913“) insgesamt sieben Jahre am Haus, länger als bei der FAZ oder als Chefredakteur des Kunstmagazins „Monopol“. Zumal, ganz weg sei Illies ja auch nicht, seine „neue
Herausforderung“ würde möglicherweise „Synergieeffekte für das Haus“ bringen. Mehr kann er nicht sagen. Zudem bleibt Illies im Beirat weiterhin dem Hause erhalten. Und auch das jährlich im Herbst erscheinende, sehr literarisch gestaltete „Journal“ der Villa möchte er weiterführen.

Sein Abschied kommt nach zweieinhalb Jahren als Geschäftsführer überraschend, erst im Januar 2016 hat er diese Position angetreten. Schultz hatte sich mit 75 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Illies als seinen Nachfolger aufgebaut. Der 47-Jährige gilt in gewisser Weise als geistiger Ziehsohn – und vor allem als intellektuelles Aushängeschild des Auktionshauses. Zusammen mit Micaela Kapitzky leitet Illies seitdem die Geschäfte, Mehrheitsgesellschafter Schultz kommt weiterhin jeden Tag in der Villa vorbei, berät seine Stammkunden. Kunsthandel verlangt eben Vertrauen, das baut man über Jahrzehnte auf.

Illies hat in den insgesamt sieben Jahren bei Grisebach erfolgreich die Abteilung 19. Jahrhundert entwickelt, die er, wie ihm das Auktionshaus nun bescheinigt, „mit großer Kompetenz und außerordentlichem Engagement aufgebaut und zum deutschen Marktführer gemacht hat“. Für diesen Bereich hätte man bereits einen Nachfolger, so Bernd Schultz. Die Personalie soll Ende des Jahres verkündet werden, schließlich ist Illies noch im Haus. Aber nicht nur das, der 47-Jährige hat auch die Abteilung Zeitgenössische Kunst langsam hochgezogen, und wer sich die Auktionsergebnisse der letzten Versteigerungen einmal genau anschaut, sieht, dass die Umsätze gewachsen sind. Dem Berliner Haus gelang es, sich mit Gegenwartskunst weiter zu positionierten.

Ein schwieriger Markt, ein anderes Klientel als die Sammler mit ausgeprägtem Faible für die Klassische Moderne. Zu den Stars der letzten Frühjahrsauktion zählten Künstler wie Anselm Kiefer und Günther Uecker mit einem seiner Nagelbilder.

Der in Kunstkreisen gut vernetzte Illies, der selbst sammelt, steht somit für eine Verjüngung und Modernisierung des Hauses, dessen Hauptsäule über die Jahrzehnte die Klassische Moderne war. Für die Gegenwartskunst wird derzeit noch ein geeigneter Nachfolger gesucht. Es gäbe Kandidaten, man führe Gespräche, Illies sei in diesen Entscheidungsprozess einbezogen, so Schultz. Illies kennt sich aus in den Entwicklungen des Marktes.

Über seine Gründe, die Villa zu verlassen, kann man nur spekulieren. Der 47-Jährige gehört seit Ende April 2017 dem Herausgebergremium der Wochenzeitschrift „Zeit“ an. Gut möglich, dass ihn nun der Weg zurück zur schreibenden Zunft lockt. Am Ende ist er, wie Bernd Schultz feststellt, ein Mann des Wortes.