Kultur

Tanztheater Pina Bausch entlässt seine Intendatin

Adolphe Binder muss nach Kritik an einem fehlenden Spielplan für die nächste Saison gehen. Vertrag galt eigentlich bis 2022

Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch muss sich eine neue künstlerische Chefin suchen. Der Beirat des Tanztheaters beschloss am Freitag, sich von Intendantin Adolphe Binder zu trennen, wie es in einer Erklärung des Gremiums hieß. Die Entscheidung sei „leider notwendig geworden, um die Handlungsfähigkeit dieser einzigartigen kulturellen Einrichtung wiederherzustellen“, erklärte der Beirat. Konkrete Angaben zu den Gründen der Trennung machte das Gremium zunächst nicht.

Eigentlich hätte der Vertrag mit der 49-jährigen Binder bis zum Sommer 2022 gegolten. Binder war erst vor einem Jahr als Nachfolgerin der 2009 verstorbenen Pina Bausch an die Spitze des renommierten Tanztheaters berufen worden. Von 2011 bis 2016 hatte sie als Künstlerische Direktorin die Göteborger Danskompani in Schweden geleitet und mehrere Uraufführungen verantwortet.

Spielplan für die neue Saison wurde nicht genehmigt

Ein offenkundiges Problem ist, dass das Tanztheater, das regelmäßig vor großem Publikum auch in Paris, London, New York und Asien auftritt, noch keinen endgültigen Spielplan für die bevorstehende Saison hat. Der Plan sei von der Geschäftsführung nicht genehmigt worden, heißt es im Haus. Kritik gibt es offenbar an der Auswahl der Stücke und der Frage, ob diese mit den derzeitigen Tänzern am Theater auch gut aufzuführen seien. Bislang hat das Tanztheater in Wuppertal ab dem 13. September nur vier Aufführungen des Pina-Bausch-Stücks „Vollmond“ im Plan.

Der Beirat erklärte, er erwarte von der Geschäftsführung, dass spätestens im September der Spielplan für die kommende Spielzeit 2018/19 vorgelegt wird. Auch soll das Verhältnis zwischen der Intendantin und des Geschäftsführers gespannt gewesen sein. Laut dem Beirat steht der Geschäftsführer Dirk Hesse für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung und wird seine Tätigkeit für das Tanztheater Ende 2018 beenden. Die Intendantin äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Die NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) äußerte ihre Erwartung, dass „sich die Stadt mit aller Kraft für eine gute Zukunft des Ensembles einsetzt“. Das Land werde die Kommune dabei „aktiv unterstützen“. Darüber hinaus werde das Land seine Zusagen zum geplanten Bau des Pina-Bausch-Zentrums im Wuppertaler Schauspielhaus halten.

Binder war erst seit Mai 2017 in Wuppertal. Unter ihrer Leitung hatten die Tänzer weithin beachtet erstmals zwei abendfüllende Stücke aufgeführt, die nicht von der berühmten Choreografin Pina Bausch stammen. Deren gefeierte Kreationen, von „Café Müller“ bis „Nelken“, sind aber auch weiter das Herzstück des Tanztheaters und werden in aller Welt aufgeführt. Einige Tänzer der rund 30-köpfigen Kompanie sind seit Jahrzehnten dabei und kennen die Stücke von Anfang an. Doch klar ist auch, dass sich das Ensemble nach dem Tod seiner Prinzipalin für anderes öffnen muss. Von der Demission Binders wurden die Tänzer überrascht. Die Kompanie gastiert derzeit in Paris, von wo aus sie sich mit einer Erklärung meldet: Sie seien weder an Diskussionen mit Management und Beirat beteiligt, noch hätten sie Informationen über Vorwürfe gegen Intendanz oder Geschäftsführung erhalten.