Kultur

Vier Pianisten und 3500 gut gelaunte Zuschauer

Classic Open Air: Am vierten Abend gibt es ein Crossover aus Boogie Woogie, Klassik, Jazz und Pop, präsentiert von Hamburger Tastenvirtuosen

Das Wetter meint es diesmal sehr gut mit dem Classic Open Air am Gendarmenmarkt: sommerliche Temperaturen um die 26 Grad und kein einziger Regentropfen bislang – auch heute nicht, am vierten und vorletzten Abend des Festivals. Und dieser Abend gehört nun den sogenannten Vier Pianisten und ihren 3500 gut gelaunten Zuschauern. Die „Vier Pianisten“: das ist ein Crossover aus Boogie Woogie und Klassik, Jazz und Pop, präsentiert von vier Hamburger Tastenvirtuosen an ein und zwei Klavieren. Im letzten Jahr hatte dieser Abend an gleichem Ort und gleicher Stelle durchschlagenden Erfolg gehabt, deshalb verspricht Festivalleiter Gerhard Kämpfe jetzt verständlicherweise eine „Neuauflage“. Doch glücklicherweise heißt „Neuauflage“ in diesem Falle nicht etwa Wiederholung der gleichen Musiknummern und Gags. Was allerdings bleibt, ist das Rahmenkonzept und natürlich die vier sehr unterschiedlichen Pianisten: Da ist allen voran wieder Joja Wendt, der Klassik-Jazz-Pop-Allrounder und Moderator des Abends, flankiert von drei namhaften Spezialisten – Axel Zwingenberger, das Boogie-Woogie-Urgestein, Martin Tingvall, der Jazzer, und als heftiger Kontrast Sebastian Knauer, ein rein klassisch ausgebildeter Pianist. Virtuosen sind sie allerdings alle, das haben sie gemeinsam. Und das Virtuose lassen sie an diesem Abend sogar noch stärker heraushängen als noch im vergangenen Jahr.

Und das schon gleich zu Beginn beim gemeinsamen musikalischen Staffellauf: Sebastian Knauer langt da kräftig in die Tasten bei Schuberts Impromptu in Es-Dur, dann übernimmt Joja Wendt und spinnt den Faden weiter Richtung Rachmaninoff und Piazzolla. Martin Tingvall fügt Jazziges hinzu, bis Axel Zwingenberger seine naturgewaltigen Boogie-Woogie-Grooves vom Stapel lässt. Diesmal braucht Zwingenberger ein paar Runden mehr, um richtig heiß zu laufen. In vollem Umfang ist er erst wieder in der zweiten Konzerthälfte zu erleben. Die erste Hälfte dagegen gehört vor allem dem „Klassiker“ Sebastian Knauer und dem Vollprofi-Entertainer Joja Wendt. Vier Kompositionen lang, von Beethoven, Vivaldi bis zweimal Schubert breitet Knauer sein Können aus und spart nicht an beschaulichen Momenten. Joja Wendt dagegen erweist sich als musikalische Mischung aus Wiesel und Chamäleon – und als charmanter Publikumsunterhalter.

Wie er die Steinway-Flügel großspurig anpreist, in einem schelmischen Mix aus Selbstüberheblichkeit, Werbung und Publikumsverschaukelung, auf Deutsch und auf höchst gebrechlichem Englisch, das hat große Klasse. Und wird abgerundet durch eine pfiffige, fingerflitzende St. Louis Blues-Version, eine Art Großfamilien-Variante, in der Joja Wendt mal seinen Onkel mit der Gitarre imitiert, dann seinen Opa am Kontrabass und am Schluss sogar noch ein Minischlagzeug mit seinen Beinen zusätzlich bedient.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.