Kultur

Wenn Mozart sich einen Star kauft

Es ist vielleicht ein kleiner, ironischer Seitenhieb auf die Arroganz der Menschen, wenn Elena Passarello ihr Buch „Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte“ nennt: Tiere sind ja schon etwas länger auf der Erde. Aber um tierrechtliche Plädoyers geht es der Autorin auch gar nicht. Ihr charmant nicht lexikonhaftes Bestiarium ist eine Sammlung 16 feiner Essays. Darunter finden sich Meisterwerke wie das zwischen Musikwissenschaft, Biografie, Naturkunde und Gesellschaftskritik tänzelnde Porträt eines Stars (Vogel), den sich einst ein anderer Star, nämlich Mozart, gekauft hat: Sind sich der unflätig reimende, aber göttlich musizierende Komponist und der Alltagsgeräusche mit Mozartmelodien mischende Singvogel einander gar nicht so unähnlich? Wo verläuft die Grenze zwischen Natur und Kultur? Passarello spürt auf oft überraschenden Ebenen den Nahtstellen zwischen der Tier- und der Menschenwelt nach. Dabei geht es auch um Brieftauben im Kriegseinsatz und um „Endlinge“, letzte Exempla­re ihrer Art. Passarellos Stil mag dem mystischen Raunen manchmal nicht ganz entkommen. Aber wie sie sich mit dem Wissen der Gegenwart zurück zum Mammut und wieder ins Jetzt träumt und denkt, mutet selbst so schön und seltsam an wie die Geschmeidigkeit eines Tieres, das man möglichst lange beobachten will.