Kultur

Eine italienische Nacht voller Leichtigkeit

Classic Open Air: Am dritten Abend steht eine Operngala mit Melodien, Arien und Duetten von Verdi, Puccini und Rossini auf dem Programm

Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt zeigt sich in diesem Jahr namentlich bei dem italienischen Abend „Nessun dorma“ von seiner besten Seite – und das heißt: von einer ausgesprochen musik- und kunstbetonten. Was haben wir bei dem sommerlichen Klassikfest auf dem zentralen historischen Platz der Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten nicht schon alles erlebt: Moderatoren, die sich eher als knallige Anchormen verstanden denn als Vermittler der hohen Kunst. Instrumentalisten, die mit grellen Faxen von den Unzulänglichkeiten ihres Spiels ablenken wollten.

Das alles hat sich in den letzten Jahren gegeben, auch dank der offensichtlichen Entscheidung von Festivaldirektor Gerhard Kämpfe, den Gesamtensembles der deutschen Provinztheater, die hier jeweils das beste ihrer Kunst präsentieren wollen, völlig freie Hand in der Programmgestaltung und der Auswahl der Künstler zu lassen.

Im Fall des Theaters Vorpommern Stralsund Greifswald, das unter seinem fulminant akkuraten (kommissarischen) Generalmusikdirektor Florian Csizmadia den Abend „Nessun dorma“ bestreitet, wurde das Potenzial des kleinen Theaters voll genutzt. Weder Gerhard Kämpfe noch der Intendant des Theaters Dirk Löschner als Moderator müssen um die Komponisten Verdi, Donizetti und all die anderen großen Alten des Belcanto viele Worte machen.

Und umso entspannter wird musiziert. Schon die einleitende berühmte Ouvertüre zu Verdis „Macht des Schicksals“ klingt in ihrem schicksalsdräuenden Blechbläsertönen und ihrem lyrischen Klarinettensolo so abgehangen und frei musiziert, dass man wünschte, es würde an diesem Freiluftabend vor dem voll besetzten Auditorium bei schönstem Wetter gar niemand mehr das Wort ergreifen. Anders als beim vorigen Abend mit Werken Richard Wagners vertrauen die Gesangssolisten von Anfang an auf die Tragweite ihres Gesangs auf dem Platz und befinden sich mit dem Orchester in bester Balance. Bei dem Bariton Thomas Rettensteiner mag man bei der Arie der Titelgestalt aus Giuseppe Verdis „Macbeth“ im einleitenden Rezitativ noch denken, dass er sich hinter seinem beeindruckend flutenden Stimmmaterial verschanzt. Dann legt Rettensteiner aber in der eigentlichen Arie ein so beeindruckendes und auf die subtile Begleitung des Orchesters vertrauendes Piano hin, dass auf dem Platz auch die letzten Quassler verstummen. Kein Zweifel: Open-Air-Klassikveranstalter in Berlin können zunehmend auf ein anspruchsvolles und konzentriertes Publikum vertrauen.

Die Auswahl der Solisten setzt vor allem auf musikalische Vielseitigkeit: Nach dem schicksalsschweren Verdi folgt sofort das Duett zwischen Adina und Nemorino aus Donizettis Liebestrank, wobei sowohl der Tenor Semjon Bulinsky als auch die Sopranistin Franziska Ringe durch eine hervorragend lyrische Leichtigkeit der Stimmen und des musikalischen Zugriffs zu beeindrucken wissen. Dies alles sind musikalische Steilvorlagen für eine italienische Nacht, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Gendarmenmarkt erst angefangen hat.

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