Kultur

Kurzes Lebensglück in den Tropen

Charlie Chaplin besuchte ihn auf Bali, wo Walter Spies ein paradiesisches Anwesen hatte. Seine „neue Welt“. Die Einheimischen tanzen, es gibt Masken, Musik und feines Essen. Anziehungspunkt für zahlreiche Kulturprominenz. Spies, Musiker, Maler, Freigeist, Flaneur und Weltmensch, wird gerade wiederentdeckt. In der Schau „Hello World“ im Hamburger Bahnhof bin ich erstmals auf seine eigenwilligen, grünbewucherten Gemälde aus den Tropen gestoßen. Er malte nie mehr als vier, fünf Bilder im Jahr – er hatte „immer tausend andere Interessen“. Die Tropen waren sein Fluchtpunkt, in einer Zeit der großen Umbrüche in Europa. Allerdings sollte sein Leben 1945 mit 47 Jahren tragisch enden. Die neue, gut recherchierte Biografie des kunstaffinen Autors Michael Schindhelm nimmt die Spuren dieses rastlosen wie anziehenden Lebemannes auf. Seine Biografie würde für einen Film taugen. Über seine rauschende Berlin-Zeit hätte man gerne noch mehr gelesen. 1895 in Moskau als Sohn deutscher Kaufleute geboren, geht Spies 1920 nach Berlin. Schauspieler Conrad Veidt führt ihn in die schwule Szene der Metropole ein: Partys, Premieren, Salons. Irgendwann ist er mit Stummfilmregisseur F.C. Murnau zusammen, malt das Schlafzimmer im Grunewald mit persischen Miniaturen aus. Die Reise nach Java beginnt 1923.