Kultur

Humor kann mit sich selbst versöhnen

Mit seinem Nordkorea-Bestseller „Kim und Struppi“ hat der Autor und Satiriker Christian Eisert 2015 schon bewiesen, dass er die unheimlichsten Ländereien dieses Planeten unerschrocken zu betreten wagt, um ihre Untiefen und Witztauglichkeit auszutesten. Zu den Regionen, die kaum jemand freiwillig betritt, gehört auch das Älterwerden. In „Anpfiff zur zweiten Halbzeit“ unterzieht sich der Berliner in gewohnt hoher Gag-Schlagzahl, surreal glaubwürdigen Dialogen und ohne falsche Scheu vor lebenserhaltenden Kalauern dem räudigen Zauberreich des eigenen Schlafferwerdens und Zipperlein-Kriegens ab 40. Die eigene Brust fühlt sich plötzlich „weich, warm und erregend“ an, und obwohl er seit der Schulzeit der große Dürre war, ähnelt er nun den Männern „mit Unterhemd-Oberkörpern“ aus der Nachkriegszeit. Nicht nur das Verhältnis zum eigenen Körper erfährt Erschütterungen und lädt Hobby-Ernährungsgurus zu Belehrungen ein. Auch die Welt der Dinge um ihn herum entfaltet bedrohlich fremde Züge: Eine bisher unbeachtete Glasscheibe im Bad entpuppt sich als Körperwaage. Selbstoptimierungswahn einmal aus der Sicht eines Mannes: So unähnlich sind sich die Geschlechter gar nicht. Wieder beweist Eisert, dass Humor noch die tiefsten Abgründe überbrückt und Versöhnung möglich macht, sogar mit sich selbst.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.