Kultur

Zwei Frauen auf der Suche

Welcher Roman könnte besser für eine Sommerreise geeignet sein als einer, der vom Unterwegssein handelt? Lucy Frickes „Töchter“ erzählt von zwei mittelalten Frauen namens Martha und Betty, die eigentlich zu einer Reise in die Schweiz aufbrechen wollen, wo Marthas kranker Vater Kurt Sterbehilfe in Anspruch nehmen will – behauptet er jedenfalls. Aber während der Fahrt verkündet er, doch lieber eine Jugendliebe am Lago Maggiore besuchen zu wollen. Die beiden Frauen beschließen, sich auf die Suche nach Bettys Ziehvater Ernesto zu machen, der irgendwo in Italien untergetaucht ist.

Lucy Fricke hat eine humor- und sehnsuchtsvolle Road Novel geschrieben, in der die großen Fragen des Lebens anklingen. Martha hat drei erfolglose Schwangerschaften hinter sich und will den Traum vom Kind noch nicht aufgeben. Und Betty spürt seit dem Verschwinden des Ziehvaters aus ihrem Leben eine Lücke in sich, die sich nicht mehr schließen will. Fricke beherrscht dabei die Figurenzeichnung ebenso souverän wie die Dialogführung und die Dramaturgie. Man sieht einen Film vor seinem inneren Auge ablaufen, während man „Töchter“ liest und nicht damit aufhören möchte, einen melancholischen, witzigen und niemals kitschigen Film über die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben.