Berlin-Konzerte

Keine Fotos - Dafür drei Abende mit King Crimson

Die Prog-Rocker von King Crimson treten gleich an drei Tagen im Admiralspalast auf und machen eine klare Ansage.

Bei King Crimson sind Fotos während des Konzerts nicht erlaubt

Bei King Crimson sind Fotos während des Konzerts nicht erlaubt

Foto: Getty Images / Redferns/Getty Images

Berlin. King Crimson existieren seit 1968, dem wohl revolutionärsten Jahr der jüngeren Geschichte. Seit 50 Jahren spielen sie düsteren Progressive-Rock – so komplex, dass er sich vielen verschließt und manchen Galaxien auftut. Drei Abende lang haben sie nun das Berliner Publikum im Admiralspalast durchgeschreddert. „Uncertain Times“, heißt die Tour. 50 Jahre nach ’68 wohl auch ein Kommentar zur Weltlage.

So stehen die britischen Musik-Avantgardisten um Gitarrist Robert Fripp, dem einzigen Dauermitglied der Band – den Revolutionen der Neuzeit skeptisch gegenüber. Bevor die Musiker am Montag die Bühne betraten, ertönte eine Ansage: Fotos bitte erst nach dem Konzert. Um Musik soll es gehen, vertrakte Klangkonstruktionen und komplexe Rhythmen, nicht darum, mit Konzertfotos zu prahlen.

Mit dieser Ansage stehen die Prog-Rock-Fossilien nicht allein da: Sich der Hyperbeschleunigung der digitalen Gesellschaft zu entziehen, scheint weitverbreitetes Motiv in der Künstlerszene der späten Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts. Während Mainstream-Festivals davon leben, dass Fotos davon live über Instagram oder Facebook verbreitet werden, stemmen sich mehr und mehr Künstler gegen den Trend, Live-Konzerte nur noch durch Smartphones zu schauen. Rock ’n’ RollMastermind Jack White ist noch so ein prominenter Fall: Er verbannte Smartphones gänzlich von seinen Shows. Wider die Moderne.

Nun ist es nicht so, dass King Crimson die digitalaffine Generation-Y anziehen würde, unter 50-Jährige sucht man im Admiralspalast lange. Stattdessen versuchen die acht Musiker, ihren treuen Fans ihr musikalisches Erbe mit einem Best-of-Programm einzudreschen. Ganze drei Drummer sind in Berlin dafür verantwortlich: Pat Mastelotto, Gavin Harrison und Jeremy Stacey. Gerade in rhythmisch komplexen Stücken wächst sich das am Montagabend zu einem beeindruckenden Trommelfeuer aus. Angeheizt von Mel Collins an Saxofon und Flöte.

Das bombastische „At the Court of Crimson King“, aus dem gleichnamigen Standardwerk der Band von 1969, wirkt im Jahr 2018 gespielt wie eine siebenminütige Hommage an den Avantgarde-Rock von vorgestern. Großartig, hymnisch – aber eben auch herrlich aus der Zeit gefallen. Ein Mythos, den King Crimson noch mal routiniert aus der Truhe holen.

Bemerkenswert, wie wenig Lust die Musiker haben, sich während der Konzerte der „Uncertain Times“-Tour zu ebenjenen zu äußern. Ihre Texte sind keine Parolen zum mitgrölen, zum Banden bilden. Die Revolution kam bei King Crimson damit, dass sie die Hörgewohnheiten der Menschen zerdepperten. Mit irren Taktarten und süßlich dahinsiechendem Gitarrenspiel. Ein paar Fans versuchten am Montag trotzdem tapfer zu headbangen.

Mehr zum Thema:

Sie kämpfte immer für Frauen: Ausstellung für Valie Export

Theater Strahl: Der Putz bröckelt, aber der Laden läuft

Wenn Sinfoniker und Rockmusiker aufeinandertreffen