Kultur

Blumen für den Maestro zum Abschied

Mit Mozart und Beethoven verabschiedete sich Iván Fischer als Chefdirigent des Konzerthauses.

Ivan Fischer wird von Konzerthaus-Intendant Sebastian Nordmann verabschiedet.

Ivan Fischer wird von Konzerthaus-Intendant Sebastian Nordmann verabschiedet.

Foto: Markus Werner

Berlin. Er war ein Glücksfall für das Konzerthausorchester, denn Iván Fischer gehört zu den Weltklassedirigenten, um die sich große Klangkörper reißen. Weshalb er sich 2012 für den Berliner Klangkörper entschied, erzählte er einmal im Interview: „Der Unterschied beim Konzerthausorchester war, dass diesmal nicht ein Manager erschien, um mit mir Kontakt aufzunehmen.“ Hier waren es die Musiker selbst, die kamen, die unbedingt mit ihm arbeiten wollten. Jetzt, nach sechs Jahren, gibt er sein Amt wieder auf. Für sein letztes Konzert als Chefdirigent am Gendarmenmarkt wählte er zwei Werke, die zu den beliebtesten Stücken der Wiener Klassik gehören: Mozarts großes A-Dur-Klavierkonzert KV 488 mit Elisabeth Leonskaja als Solistin sowie – passend zum sommerlich heiteren Wetter – Beethovens sechste Symphonie „Pastorale“; Letztere bildet den Abschluss seines Zyklus mit allen Beethoven-Symphonien.

Fischers Mozart ist gekennzeichnet von unaufgeregter Heiterkeit in den schnellen Ecksätzen und von einem schlicht-introvertierten Ton im wehmütigen Adagio-Satz. Er wählt eher gemäßigte Tempi und versteht Mozarts Akzente nicht als Fremdkörper mit Hammerschlag-Charakter. Zudem weiß er dem Orchester einen warmen Klang zu entlocken, der wunderbar zum samtig runden Klavierton von Elisabeth Leonskaja passt. Die georgische Starpianistin mit Wiener Wohnsitz, die von ihrer Heimat Georgien 2015 als „Priesterin der Kunst“ ausgezeichnet wurde, zeigt in ihrem kantablen Spiel, dass bei Mozart auch die Klavierthemen oft verkappte Arien-Melodien darstellen. Sie verfügt über eine enorme Klangkontrolle und eine perfekte Pedaltechnik: Niemals platzt ein Ton vorlaut heraus, niemals klingen Töne ineinander, die dies nicht sollten. Doch wenn es die Musik verlangt, weiß Leonskaja energisch zuzupacken, sie hat keine Mühe, sich im Forte gegen das Orchester durchzusetzen.

Musik mit nobler Schlichtheit und feiner Melancholie

Das wehmütige Adagio, bei dem manche Interpreten reichlich auf die Tränendrüse drücken, gestaltet sie mit nobler Schlichtheit und feiner Melancholie. Nach dem fröhlich bewegten Allegro assai werden Orchester und Solistin vom Publikum im ausverkauften Konzerthaus mit reichlich Applaus bedacht. Elisabeth Leonskaja bedankt sich mit einer Chopin-Nocturne als Zugabe, die sie mit betörender Anschlagskultur und geschmackssicheren Rubato gestaltet.

Auch Beethovens Pastorale gelingen Iván Fischer und dem Konzerthausorchester als plastische Schilderungen von Naturszenen, klanglich stellt Fischer hier die Geigen in den Vordergrund und lässt die Bassgruppe des Orchesters nur feine Konturen zeichnen. Fischer bringt die Musik wirklich zum Sprechen und nimmt sich manche rhapsodischen Freiheiten, indem er etwa bereits das Eröffnungsmotiv mit einem enormen Ritardando zum Stillstand bringt. Auch die Solisten, die für die Vogelstimmen zuständig sind, brillieren auf ihren Instrumenten, insbesondere die Oboe und die Klarinetten überzeugen hier auf hohem Niveau, und das Gewitter hört man selten so eindrucksvoll.

Das Publikum dankt es dem ungarischen Dirigenten mit lang anhaltendem Beifall und stehenden Ovationen. Am Schluss gibt es Blumen für den Maestro, aus dem Publikum und vom Konzerthausteam. Zum Glück bleibt Iván Fischer dem Konzerthausorchester als Ehrendirigent erhalten.

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