Berliner Kunstverein

Sie kämpfte immer für Frauen: Ausstellung für Valie Export

Sie ist eine Pionierin feministischer Medien-, Film- und Performancekunst. Der Neue Berliner Kunstverein widmet Valie Export eine Schau.

Der Neue Berliner Kunstverein widmet Valie Export eine Ausstellung

Der Neue Berliner Kunstverein widmet Valie Export eine Ausstellung

Foto: VIO WAKOLBINGER 4481 ASTEN / BM

Berlin. Valie Export machte in den 60er-Jahren Dinge, für die man sie damals beschimpft und richtig bedrohte. Für ihre „Aktionshose: Genitalpanik“ schnippelte sie 1968 ein riesiges Loch in den Schritt ihrer Jeans, und drängelte sich damit durch die engen Sitzreihen eines Münchner Kinos. Der medialen „Ausbeutung“ der Frau wollte sie ihre reale Präsenz gegenüberstellen. Leider war es im Filmsaal etwas dunkel. Heute, wo nahezu kein Teenie überhaupt mehr ohne Löcher in der Hose rausgeht, würde in Berlin vermutlich niemand Export wahrnehmen. In einer anderen Aktion machte sie ihren damaligen Partner Peter Weibel zum Hund, auf allen Vieren ließ er sich damals von ihr in der Wiener Innenstadt Gassi führen. Mit dem Weibel-Köter drehte sie die Verhältnisse kurzerhand um. Männliche Machtdemonstration und Rollenklischees – das waren ihre große Themen.

Export gilt heute als eine Pionierin feministischer Film-, Medien- und Performancekunst, die Generationen von Künstlern beeinflusste. Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) widmet sich nun – passgenau zum 1968er-Gedenkjahr – ihren Archivalien und einzelnen Werken. Die Österreicherin, in Linz gebürtig, hat zu Berlin durchaus eine Verbindung, hier lehrte sie vier Jahre bis 1995 an der Universität der Künste, zeigte ihre Filme auf der Berlinale, fand hier künstlerische Stimulanz.

Wer die Ausstellung besucht, braucht etwas Zeit und einige Leselust, Kataloge, Drehbücher, Kontaktabzüge und Briefe wollen durchgeschaut werden. Dabei schlägt die Schau Schneisen in das wilde Werk der heute 78-jährigen Künstlerin. Wer die Mühe nicht scheut, wird belohnt. Es sind wahre Fundstücke darunter, die zeigen, wie sich die Zeiten geändert haben, anderes gar befremdlich wirkt. Etwa ein Brief von Alice Schwarzer aus dem Jahr 1975. Die Künstlerin hatte Deutschlands Frauenrechtlerin in einem Brief zu einem Vortrag im Vorgang zu einer ihrer Ausstellungen eingeladen. Schwarzer bittet sie um Zusendung entsprechender Informationen, aber bitte schön auf Deutsch. Um anzufügen: „Ich bin deutsch.“

n.b.k., Chausseestr. 128/129. Di.–So. 12–18 Uhr, Do. 12–20 Uhr. Bis 12. August.

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