Kultur

Ein „temporäres Schaufenster“ für das Bauhaus-Archiv

Sammlung hat Ausweichquartier an der Knesebeckstraße bezogen

Um etwas so Altmodisches wie den guten alten Flaneur (oder die Flaneuse) zu beobachten, braucht es manchmal eben auch die architektonischen Errungenschaften der West-Berliner Nachkriegsmoderne. An der Knesebeckstraße 1–2, unweit von „Manufactum“, bleiben immer wieder Passanten stehen, wenn sie die offene Glasfront des 1955/1956 errichteten Hauses Hardenberg bemerken und drinnen, im lichten Erdgeschoss, das Vernissage-Gewese beobachten. Ein kurzes Zögern, manche gehen einfach mal hinein.

Dieser Ort scheint also gut gewählt für ein Museum, das sich ja gerade die Öffnung hin zum Publikum und das Einwirken auf den Alltag auf die Fahnen schreibt: das Bauhaus-Archiv, das seinen Hauptsitz eigentlich an der Klingelhöfer­straße hat. Jener 1979 eingeweihte Bau wird derzeit umfassend saniert und soll binnen vier Jahren um das luftige Turm-Ensemble des Architekten Volker Staab erweitert werden. Es laufe dort übrigens „alles nach Plan“, sagt Annemarie Jaeggi, die Direktorin des Bauhaus-Archivs.

Es können keine originalen Dokumente ausgestellt werden

Schon das anstehende Jubiläumsjahr 2019 – 100 Jahre – lässt keine Trödelei zu. Um die laufende Arbeit an der eigenen Sammlung auch während der Bauzeit dokumentieren und diskutieren zu können, wird in den nächsten vier Jahren nun also im Hardenberg-Haus ein „temporäres Schaufenster“ bespielt. Auch der Bauhaus-Shop ist dort untergebracht, und dass dessen Architekt, Paul Schwebes, dieses markante Haus der Nachkriegsmoderne zu jener Zeit entwarf, als Walter Gropius im fernen Darmstadt die ersten Ideen für ein Bauhaus-Archiv sammelte, fügt der Unternehmung eine weitere kunsthistorische Passgenauigkeit hinzu.

Die Offenheit des Ortes geht freilich zulasten musealer Sicherheitsstandards, weshalb hier keine Originaldokumente ausgestellt werden können. Spannend sind die Repliken trotzdem: Welcher politische Wille letztlich hinter der Verwirklichung des Bauhaus-Archivs stand, das am Ende doch in Berlin und nicht in Darmstadt gebaut wurde, und wie stark der Begriff der Demokratie mit dem Bauhaus verbunden war, lässt sich an Redemanuskripten, Grundrissen, Modellen und Fotos nachvollziehen. Nach vorn und zurück soll der Blick gehen. Bis zur Eröffnung des sanierten und erweiterten Hauptsitzes gibt es dazu jährliche Schwerpunktthemen: Dieses Jahr ist zunächst ganz der „Sammlung“ gewidmet, 2019 folgt das Thema „Schule“, 2020 „Architektur“ und 2021 „Design“, so universell, wie die Bauhaus-Idee eben von Anfang an gedacht war.

Das temporäre Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Knesebeckstr. 1–2, Charlottenburg. Tägl. außer So., 10–18 Uhr, Eintritt frei