Konzert im Olympiastadion

Beyoncé und Jay-Z in Berlin: Audienz beim Königspaar

Das Künstlerpaar Beyoncé und Jay-Z ist reich und – wieder – verliebt. Warum sie eine Herausforderung für alle Gestrigen sind.

Im Musikvideo: Beyoncé und Jay-Z im Pariser Louvre

Im Musikvideo: Beyoncé und Jay-Z im Pariser Louvre

Foto: Beyoncé und Jay-Z via Youtube

Berlin. Es gibt dieses verkrisselte Video – es ist vier Jahre alt –, da versucht die Schwester von Beyoncé, US-Rapper Jay-Z im Fahrstuhl eine zu zimmern. Die ganze Welt spekulierte damals, warum. Es hielt sich das Gerücht, der Rapper und erfolgreiche Musikunternehmer habe seine Frau, R&B-Königin Beyoncé, betrogen. Ehekrise beim Superstar-Ehepaar.

Nun, im Juni 2018, heißt es bei beiden: „Everything is love“ – so haben sie ihr gemeinsames Album betitelt, mit dem sie am Donnerstag im Berliner Olympiastadion antreten. Demonstrativ veröffentlicht als “The Carters“, dem wenig bekannten Familiennamen des seit zehn Jahren verheirateten Paares.

Die zerüttete Ehe war einmal

Sie haben es einerseits schlicht nicht mehr nötig, mit ihren weltbekannten Künstlernamen zu protzen. Andererseits wurde der Versöhnungsprozess, der zu „The Carters“ führte, nicht nur öffentlich geführt, sie beenden ihn nun mit einer ebenso öffentlichen Demonstration ihrer Familien-Macht. Ihres Reichtums, ihres Einflusses und: ihres Zusammenhalts. Die zerrüttete Ehe soll das heißen, die war einmal

Es ist nicht so, als hätte die Musikwelt diese bombastische Vereinigung kommen sehen. Es gab keine Warnung. Plötzlich war „Everything ist love“ da. Dass sie deshalb auf den großen Auftritt verzichten? Wer glaubt das schon.

Auftritt in den heiligen Hallen des alten Europa

Auftritt „The Carters“: Paris, Stadt der Liebe. Der Louvre, bestbesuchtes Museum der Welt. Und wie ein Königspaar stehen sie darin, Beyoncé und ihr Mann. Hand in Hand vor der Mona Lisa – dem berühmtesten Gemälde der Weltgeschichte. Ein schwarzes Paar, brutal reich und wahnsinnig erfolgreich, regiert in den heiligen Hallen des alten Europa. Sie in Altrosa, er in smaragdfarbenem Türkis. Der Louvre, er ist Dekoration.

Es ist eine Szene aus dem Musikvideo zu „Apeshit“. Innerhalb weniger Tage schauten es über 40 Millionen Menschen bei Youtube. In einer anderen Szene tanzt Beyoncé mit weiteren schwarzen Tänzerinnen vor der „Krönung Napoleons“ – einem monströsen Breitbandgemälde von Jacques Louis Davids aus dem frühen 19. Jahrhundert. So als wolle Beyoncé - die sich, wie Napoleon einst selbst, zur „Queen B“ krönte - sagen: Schaut her, ich bin eure Imperatorin.

Jede Zeile suggeriert ihre Überlegenheit

Doch es ist nicht nur dieses Video, jede Zeile von „Everything is love“ suggeriert die Überlegenheit des Künstler- und Unternehmerpaares. Sie, Beyoncé, gehört mit geschätzt 100 Millionen verkauften Platten und einem Vermögen von knapp einer halben Milliarde Dollar zu den erfolgreichen Sängerinnen der Welt. Ihm, Jay-Z, gehört eine Plattenfirma, er ist an einem Musikstreaming-Dienst beteiligt und ein nicht minder erfolgreicher Rapper. Und bezeichnet sich deshalb selbst nicht gänzlich falsch als „CEO of Hip-Hop“.

Wenn Beyoncé einem im dritten Album-Song „Boss“ also entgegen knallt: „My great-great-grandchildren already rich / That’s a lot of brown children on your Forbes list.“ Dann spricht daraus nicht nur das Selbstbewusstsein über die eigene Lebensleistung. Dass schwarze Menschen so erfolgreich sein können wie Beyoncé und Jay-Z, dass sie sich den Louvre für ein Musikvideo mieten können, ist bei den beiden immer auch politische Botschaft.

Das Ende einer Trilogie

Denn ist „Everything is love“ auch der Abschluss einer Trilogie. Diese begann 2016 mit Beyoncés weltweit gefeiertem Album „Lemonade“. Darin thematisiert „Queen B“ nicht nur die Untreue ihres Mannes. Es geht auch um ihre Identität als schwarze Frau, um den Kampf gegen Rassismus und für Frauenrechte. Ein politisch-musikalisches Meisterstück, an dessen Ende sie auch ihrem Mann, der sie hörnte, eine neue Chance einräumt.

Der wiederum antwortete – wie könnte es anders sein – ein Jahr später mit seinem Album „4:44“, mit dem er seine Frau öffentlich um Verzeihung bat. Auch Jay-Z rappt darin über sein Leben als Schwarzer, über konstante Rassismuserfahrungen, seine Jugend als Dealer.

Nun also performt dieses globalistische Königspaar „Everything is love“ in Berlin. Mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert dieses schwarze Paar seine Überlegenheit, dass es die Rassisten und Nationalisten nur schaudern lassen kann. Reichtum und Macht und Ansehen, das wollen sie sagen, das ist nichts, was schwarzen Menschen länger verwehrt werden darf. Lebt damit.