Kultur

Auch Freddie Mercury hat seinen Auftritt

Queen mit dem Sänger Adam Lambert ist nur Coverband der eigenen Hits

Wie aus dem Nichts erscheinen Roboterhände, heben den gewaltigen Vorhang, und dann rockt Brian May los. Der Queen-Gitarrist lässt auch mit stolzen 70 Jahren sein Instrument noch effektvoll verzerrt singen wie ein junger Gitarrengott. Erst dann startet Adam Lambert mit den Lyrics von „Tear It Up“. Da mag der mit Silberketten behangene Sänger noch so sehr glitzern wie eine Discokugel. Schnell ist klar, wer das wahre Alphamännchen in der gut besuchten, aber nicht ausverkauften Mercedes-Benz Arena ist: Brian May an seiner Gitarre.

Seit 2004 ist Queen, die Superband der 70er- und 80er-Jahre, in Abständen wieder auf Tour. Erst mit Paul Rodgers als Leadsänger, seit 2012 mit Adam Lambert. Trotzdem stellt sich immer noch die Frage: Geht das überhaupt ohne Freddie Mercury, das kreative Mastermind früherer Tage? Tatsächlich sind es vor allem die instrumentalen Momente, in denen die Band zu alter Größe findet. Queen + Adam Lambert, wie die Formation nun offiziell heißt, sind mit diesem Sänger eigentlich nur Coverband der eigenen Hits, wenn auch eine absolut grandiose.

An den genialen, 1991 viel zu früh an Aids gestorbenen, charismatischen Freddie Mercury reicht Lambert auch nach sechs Jahren mit Queen nicht heran. Er hat ebenfalls eine Mehroktavenstimme. Aber die verfügt bei Weitem nicht über die Nuancen und Schattierungen der einzigartigen Stimme von Mercury. Die war rau und warm, rockig und opernhaft zugleich.

Lambert macht jedoch nicht den Fehler, den großen Freddie zu kopieren. Er bleibt seinem Stil treu. Oft ist er aber in den Höhen nur gellend, dann wieder ist sein Gesang schlicht musicalhaft. Dennoch gelingt dem 35-Jährigen, der 2009 in der Castingshow „American Idol“ Zweiter wurde ein passabler, obzwar nicht wirklich mitreißender Auftritt. Immerhin ist er Schwarm aller Girlies im Publikum, die bei jeder Pose, jedem neuen Bühnenlook in ekstatisches Kreischen verfallen. Keine Chance, Mädels! Der Mann lebt offen schwul.

Die meisten Zuschauer sind aber natürlich wegen der Rocklegenden Brian May und Roger Taylor gekommen. Die verbliebenen Gründungsmitglieder von Queen. May zeigt bei seinen Gitarrensoli einmal mehr, welche Tonvielfalt man mittels Effektgerät und Rückkopplung aus sechs Saiten herausholen kann. Ein Hochgenuss. Dazu parliert der promovierte Astrophysiker auf Deutsch. Und er spielt ein berührendes Akustiksolo, bei dem selbst hartgesottene Rockfans am liebsten zum Taschentuch greifen möchten: Bei der Ballade „Love Of My Life“ wird er auf der Leinwand von niemand geringerem als Freddie Mercury höchstselbst gesanglich begleitet. Auch Roger Taylor (68) weiß sich bei seinen Soli in Szene zu setzten. Er gerbt seine Drums wie zu den Hochzeiten der Band.

Ohnehin bietet die rund zweistündige Show alles, was das Fanherz erfreut: Eine bombastische Lightshow, Spezialeffekte, ausgeklügelte Laserprojektionen und jede Menge Hits. Von „Killer Queen“ über „Another One Bites The Dust“ bis „Who Wants To Live For­ever“ und „The Show Must Go On“.