Kultur

Volksbühne wohin? Diskussion mit großer Genervtheit

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Cosima Lutz

Akademie der Künste lud zum Kongress „Vorsicht Volksbühne!“

Noch bevor es am Freitagabend losging in der Akademie der Künste (AdK) am Pariser Platz, lag schon eine spürbar gespaltene Erwartungshaltung in der Luft: Entweder, murmelte es hier und da, wird dieser Kongress sterbenslangweilig. Oder er wird eskalieren. Aber, wir reden hier schließlich von der Volksbühne, es geht auch beides gleichzeitig.

Das muss wohl an dem „Geist“ der alten Volksbühne liegen, der an diesem Abend immer wieder erwähnt wird. Die Ära Castorf habe doch vor allem eines gelehrt, sagte Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele: Man müsse „aushalten, dass es Zustände gibt, die nicht eindeutig sind“. Wenn nun also auf Initiative des einstigen Hausautoren Thomas Martin und des Schauspielers Christian Grashof die AdK unter dem schreckhaften Titel „Vorsicht Volksbühne!“ zu einem „zweitägigen Gedankenaustausch“ geladen hatte, dann sicher nicht in der Erwartung, dass sich am Ende alle liebhaben und basisdemokratisch eine neue Intendanz wählen würden, die den Geist in seinem jetzigen „Sarkophag“ (Kultursenator Klaus Lederer) ganz schnell wieder wachküsst.

Das Rationale und ein starkes Gefühl, Schmerz, rangen miteinander, von notwendiger „Heilung“ war oft die Rede. Manchen im Publikum und auf dem Podium hätte vorerst eine Schmerzpille in Form einer Entschuldigung des (nicht anwesenden) Regierenden Bürgermeisters Michael Müller genügt.

Doch zur Therapie braucht es erst einmal die Krankengeschichte, die umriss Theaterhistoriker Klaus Völker. Die Parallelen zur Volksbühnenkrise in den 20er-Jahren, als man schon einmal nach großen Namen schielte, statt die Berliner Stadtgesellschaft zu mobilisieren, sorgte für Verblüffung. Was wiederum die Hoffnung nährt, dass dann alles irgendwann wieder so schön flutschen könnte wie zuletzt in den Vor-Dercon-Jahren. Doch das gemeinsame Nachdenken klappe nicht, polterte Kultursenator Klaus Lederer in einem Castorf-Gedenk-Wutausbruch, wenn schon gleich zu Beginn eines solchen Kongresses ebendieser als „Alibi-Veranstaltung“ diffamiert werde. Er zielte damit auf die von Beifall begleiteten Ausführungen Evelyn Annuß’, der Initiatorin der Petition „Zukunft der Volksbühne neu verhandeln“.

Die Genervtheit voneinander ist groß, der Weg zur „gemeinsamen Wunschproduktion“ (Kathrin Tiedemann) holprig – schon angesichts der spezifischen Volksbühnen-Paradoxien. Die Volksbühne, so lautete ein Fazit, war zu Beginn und müsse künftig wieder verankert sein in der Stadtgesellschaft, um jenseits von „City-Marketing“ (Annuß) in die Welt hinauszustrahlen. Aber so viel Mehrdeutigkeit auszuhalten und vielleicht erst einmal eine Weile erfolglos zu sein, das zu lernen dürfte dauern.

Info: Auf www.adk.de kann man sich den Kongress ansehen, eine Dokumentation in Text und Bild erscheint am 1. August als Sonderheft der Zeitschrift „Theater der Zeit“