Kultur

Ein Orchester verliert sein Zentrum

Das Konzerthausorchester unter Juraj Valčuha beginnt den Freitagabend in seinem Stammhaus am Gendarmenmarkt ambitioniert: Doch der slowakische Dirigent kann das komplizierte Gegeneinander der Orchesterstimmen in Anton Weberns früher Passacaglia nicht vollends verständlich machen. Voraussetzung wäre ein noch besser koordiniertes Spiel der einzelnen Stimmgruppen.

Das Werk ist gar nicht so gerupft modern, wie es hier klingt. Es könnte eigentlich ganz gut an Variationen des Romantikers Johannes Brahms erinnern, wenn man es ließe. Doch auch in Brahms’ eigenem Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-moll geht Valčuha zunächst etwas zu forsch zu Werke. Der körnige Celloton von Nicolas Altstaedt kann sich pro­blemlos gegen das Orchester behaupten, der exquisit zarte Ton der norwegischen Stargeigerin Vilde Frang nicht. Im zweiten Satz dann, in Vereinigung mit zu sich selbst findenden Holzbläsern kann Frang die Rundheit von Ton und Phrasierung in allen Lagen unter Beweis stellen. Schmunzeln ruft die Zugabe eines humoristischen kurzen Geigen-Cello-Duos des Münchner Komponisten Jörg Widmann hervor.

Die Tondichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss nach der Pause besitzt unter Juraj Valčuha kammermusikalisch verhaltene Momente. Das Problem bleiben die lauten Stellen des ganzen Orchesters, bei denen das Konzerthausorchester an diesem Abend klanglich öfters sein Zentrum und seine Balance verliert.

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