Kunst

Ausstellung in Dahlem: Schatten der Geschichte

Das Kunsthaus Dahlem zeigt Werke von emigrierten Künstlern nach 1945 und das Frühwerk des Berliner Malers Carl-Heinz Kliemann.

„Landschaft mit gelbem Haus“ von Carl-Heinz Kliemann

„Landschaft mit gelbem Haus“ von Carl-Heinz Kliemann

Foto: Oliver Ziebe, Berlin / BM

Berlin. Wenn rund ums Kunsthaus Dahlem die Sonne auf den weichen Waldboden brennt und die hohen Kiefern ihr harziges Aroma verströmen, kann Berlin schon recht überzeugend Südfrankreich oder Toskana spielen. Im Garten des 2015 neu eröffneten Gebäudes lädt ein bunter Holzpavillon zum saumseligen Herumdösen ein. Hier die Augen schließen und es nachwirken lassen, das schroffe, bunte Helldunkel, das man drinnen erlebt hat.

Dieses Haus wurde einst als „Staatsatelier“ für den Lieblingsbildhauer der Nazis, Arno Breker, gebaut. Schlechtes Karma, möchte man da sagen. Wenn dieses Museum nun in der Schau „Neue/Alte Heimat – R/emigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945“ Werke jener Kunstschaffenden zeigt, die einst aus Nazideutschland fliehen mussten und teilweise nicht wiederkehrten, lässt sich schon deren pures Vorhandensein an genau diesem Ort als historischer Triumph lesen. Peter Rosenbaums „Bergmann mit zerschlagener Nase“ zum Beispiel, eine Leihgabe des Museums Folkwang: ein Kopf aus Eisen, auf einem Sockel aus Schlackenstein, in sich gekehrt, beharrlich, düster, stark.

Gegenwart trifft Geschichte

Andererseits bleibt ein irrationales Unbehagen, als könnten sich all die Figuren, Büsten und zerbrechlichen Glasbilder hier unsicher fühlen. Gerade an diesem Ort entsteht jedoch eine Reibung, die jedes Werk mit Gegenwärtigkeit durchpulst. Wie die still konzentrierte Büste eines „Schwarzen Mannes“ von Jussuf Abbo etwa. In Palästina als Sohn jüdischer Eltern geboren, kam Abbo 1911 nach Berlin und war in der Kunstwelt schon bald eine große Nummer, in den renommiertesten Avantgarde-Galerien stellte er aus. 1935 musste er emigrieren, 1953 starb er krank und verarmt in London.

Und dann erzählt die Leiterin des Kunsthauses, Dorothea Schöne, dass zum Beispiel der 1974 in Beirut geborene Berliner Künstler Said Baalbaki „wie besessen“ das Werk Abbos sammele, nachdem der aus Syrien stammende Berliner Künstler Marwan ihn auf diesen aufmerksam gemacht hatte.

Gebäude wie Klippen

Von draußen fließt optimistisch das Junilicht herein, jetzt noch die Stufen hinauf zur Galerie, wo dem 2016 gestorbenen Berliner Künstler Carl-Heinz Kliemann eine Schau seiner frühen Werke gewidmet ist. In direkter Nachbarschaft zum Brücke-Museum ein schönes Arrangement, Kliemann war Schüler Karl Schmidt-Rottluffs. Auch hier träumt sich exotisches Licht in die Berliner Vorstadt hinein, wenn sich etwa in der „Gelben Landschaft“ alle Horizonte unter einem sonnigen Glühen übereinander staffeln. Baumgruppen, alte Schornsteine, Brachen, Gebäude wie Klippen: Das Urbane grenzt bei Kliemann an südliche Gefilde und ist hier, in Dahlem, ganz bei sich.

Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 12.
Täglich außer Di. 11–17 Uhr