Ausstellung in Potsdam

Das Ende der Hohenzollern in Preußen

Eine Ausstellung im Neuen Palais in Potsdam beleuchtet die letzten Tage des deutschen Kaiserreiches im Jahr 1918.

Die letzten Jahre seiner Regentschaft lebte Wilhelm II. der Zeit entrückt im Neuen Palais

Die letzten Jahre seiner Regentschaft lebte Wilhelm II. der Zeit entrückt im Neuen Palais

Foto: Wolfgang Pfauder/Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Potsdam.  Es muss eine gespenstische Stimmung geherrscht haben an diesem 29. Oktober 1918, als das Kaiserreich über Wilhelm II. und seiner Familie zusammenbrach. Im Apollosaal des Neuen Palais im Park Sanssouci nahm das Kaiserehepaar ein letztes gemeinsames Abendessen ein, bevor Wilhelm II. um 23 Uhr in den aufkommenden Revolutionswirren das Neue Palais und Deutschland in Richtung Niederlande verließ. Diese Szene und weitere 15 Stationen im Neuen Palais zeigt die Ausstellung „Kaiserdämmerung“, die an diesem Sonnabend eröffnet wird.

30 Jahre lang regierte Wilhelm II. das Kaiserreich, bevor die Novemberrevolution das Ende der 217 Jahre währenden Regentschaft der Hohenzollern besiegelte. „Wir beschreiben die letzten Tage aus Sicht der kaiserlichen Familie und der Bediensteten“, sagte der kommissarische Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Heinz Berg, anlässlich der Ausstellungseröffnung: Wie die kaiserlichen Routinen allmählich zerfielen, wie Kaiserin Auguste Viktoria später die Bediensteten im Grottensaal des Schlosses zusammenrief und von ihren Aufgaben entband und wie die Familie in den Wochen und Monaten danach Listen zusammenstellte, auf denen sie das Mobiliar und die Kunstwerke auflistete, die sie ins niederländische Exil nachgeschickt bekommen wollte.

Wilhelm hielt an der Krone fest

Lange wollte Wilhelm das drohende Ende nicht wahrhaben, so scheint es. Er hielt an der Krone fest, auch wenn rund um das Neue Palais, in dem er während seiner gesamten Regentschaft lebte, der Untergang immer näher rückte. Schließlich verkündete der damalige Reichskanzler Max von Baden am 9. November einseitig die Abdankung, ohne die Einwilligung Wilhelms abzuwarten. „Der Kaiser hat abgedankt“, titelte die Zeitung „Vorwärts“ noch in der Abendausgabe desselben Tages. „Es wird nicht geschossen.“

Für Kaiserin Auguste Viktoria muss es einer Demütigung gleichgekommen sein, dass sie die Nachricht erst am 10. November vom Erzieher ihres Enkels auf der Terrasse des Neuen Palais übermittelt bekam. Sie soll außer sich gewesen sein. Die Ausstellung zeigt auch zwei Briefe der Kaiserin aus dieser Zeit, in denen sie an ihre Schwester von den schweren Zeiten berichtet, die über der Familie hingen, und ihr Bedauern darüber äußert, das Schloss verlassen zu müssen. „Der Herr führt uns gar zu schwere Wege“, heißt es darin. „Bete für uns, wir können es jetzt mehr denn je brauchen.“

Es wird das entrückte Leben der Hohenzollern gezeigt

Die Ausstellung ist in den regulären Besucherrundgang durch das Schloss integriert. Allerdings öffnet die Stiftung auch Räume, die sonst nicht zugänglich sind. So geben die Ankleideräume des Kaisers einen Eindruck davon, wie entrückt, geradezu aus der Zeit gefallen das Leben der Hohenzollern in diesen letzten Wochen und Tagen gewesen sein muss. Das macht den besonderen Charme der Ausstellung aus. Die bisherigen Versuche, die politischen Wirren der Zeit zu beleuchten, hatten eher die Revolutionsereignisse im Fokus.

Friedrich II. hatte das Neue Palais nach dem Siebenjährigen Krieg 1763 bis 1769 errichten lassen. Mit seinen 200 Zimmern, vier Festsälen und einem eigenen Theater gehört es zu den größten Schlössern der Hohenzollern. Ursprünglich war es als Gästeherberge gedacht, Wilhelm II. erkor es 1888 dann zum Hauptwohnsitz der Familie.

250 Exponate wurden zusammengetragen

Das Neue Palais gilt als letztes Barockschloss der Hohenzollern. Umso größer mutet der Widerspruch an, der zuletzt im untergehenden Preußen herrschte. Hier die Kaiserfamilie, die im Schloss herrschaftlich residierte, und dort das einfache Volk, das in bitterer Armut und beängstigender Enge lebte.

Für die Ausstellung trugen die Kuratoren Eva Wollschläger und Jörg Kirschstein 250 Exponate zusammen. Die meisten davon stammen aus dem Haus Doorn zwischen Utrecht und Arnheim, das Wilhelm und Auguste Viktoria bis zu ihrem Lebensende als Exil diente. In den Folgejahren zeigte sich die neue Republik großzügig. In zwei Transporten von jeweils mehr als 30 Eisenbahnwaggons wurde ein großer Teil des Eigentums des ehemaligen Kaiserpaares von Potsdam in die Niederlande gebracht. Nach Kriegsende wurde ein Großteil davon beschlagnahmt. Haus Doorn ist heute ein Museum – wie das Neue Palais auch, das in den vergangenen zehn Jahren aufwendig saniert wurde.

Kaiserdämmerung – Das Neue Palais zwischen Monarchie und Republik. Bis 12. November. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro