Kultur

Studie über die Beziehung zwischen Mann und Frau

Bariton Michael Nagy und Sopranistin Christiane Karg schenken sich im Kammermusiksaal nichts – als Antipoden in Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch. In der Liedreihe „Umsungen. Die Welt der Vokalmusik“ der Berliner Philharmoniker bieten die weltberühmten Solisten zur Klavierbegleitung von Gerold Huber diesen meisterhaften und doch selten gesungenen Zyklus aus 46 Liedminiaturen dar. Hubers Ausgewogenheit und Schönheit des Anschlags sind unbeirrbar – auch dann, wenn ihn der Komponist in jedem neuen Lied zuweilen von Takt zu Takt in neue musikalische Situationen stößt. Da wird mit ironischem Hintersinn zum Lied des Baritons „Nun lass uns Frieden schließen“ am Klavier eine kleine Militärparade abgehalten.

Die Meisterschaft von Michael Nagy und Christiane Karg schlägt sich jenseits einer ohnehin stupenden Gesangstechnik vor allem in der unbeirrbaren Sicherheit nieder, mit welcher Hugo Wolfs zuweilen die Atonalität streifende chromatische Harmonik von Gesangslinien überwölbt wird.

Und dies alles ist ja nur die musikalische Basis für Wolfs Italienisches Liederbuch, das auf dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Paul Heyse beruht und eine literarische Studie über die zerbrechliche Beziehung zwischen Mann und Frau ist. Mit Blicken, dem sparsamen Wechsel der Standorte neben dem Flügel sowie einigen winzigen Gesten gibt Michael Nagy den leidenschaftlichen, dabei aber den Gefühlen seines Gegenübers stets etwas hinterherhinkenden Verliebten. Christiane Karg als schnippische Angebetete in giftgrünem Kleid formt sowohl Gift als auch seelischen Balsam vor allem in ihrer Stimme – schneidend und schwingungslos kann sie sein und gleich danach wieder innig oder jubelnd. Glücklich, wer hier dabei gewesen ist.

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