Konzert in Berlin

Iron Maiden mit Feuer und Fliegerromantik in der Waldbühne

Lederkutten dominieren die Ränge der Berliner Waldbühne. Iron Maiden heizen den Fans mit Feuer, flammenden Reden und Klassikern ein.

"Aces High" - Bruce Dickinson beschwört den Luftkampf der Royal Air Force gegen die Nazi-Bomber

"Aces High" - Bruce Dickinson beschwört den Luftkampf der Royal Air Force gegen die Nazi-Bomber

Foto: Peter Kneffel / dpa

Berlin. Ein Mann mit Flammenwerfer schießt auf der Bühne Feuerbälle und lodernde Fontänen über die Köpfe der Gitarristen hinweg. Hinter ihm hängt eine Nachbildung des mythischen Ikarus. Der Mann mit dem Flammenwerfer ist niemand anderes als Bruce Dickinson, Sänger der britischen Heavy-Metal-Band Iron Maiden, der den Flammenwerfer zu den Akkorden von „Flight Of Icarus“ abfeuert.

Iron Maidens Konzert in der Waldbühne am 13. Juni überzeugt mit einer ansprechenden Konzeptshow und gutem Sound. Die Band um Frontmann Dickinson und Gründungsmitglied Steve Harris hat in ihrer Laufbahn über 100 Millionen Tonträger verkauft und ist derzeit im Rahmen ihrer „Legacy Of The Beast Tour“ in Deutschland unterwegs. Mit dabei ist natürlich auch Band-Maskottchen Eddie, jenes an einen Zombie erinnernde Wesen, das bisher auf allen Albumcovern der Gruppe zu sehen war.

Das Konzert beginnt in militärischer Optik. Schon die Bühnenarbeiter tragen Camouflage. Als ersten Song spielt die Band „Aces High“, ein Lied, das von einem britischen Piloten und seinem Kampf gegen die deutsche Luftwaffe erzählt. Das Equipment ist mit grünen Tarnnetzen bedeckt, Sänger Dickinson trägt eine Fliegermütze, und über den Köpfen der Musiker bewegt sich eine aufblasbare Propellermaschine.

Philosophischer Exkurs über die Freiheit

Es folgen die Songs „Where Eagles Dare“ und „2 Minutes To Midnight“, dann hält der ehemalige Berufspilot Dickinson eine kleine Ansprache, die einzige an diesem Abend. Er erklärt, dass die Band mit ihrem Konzert Geschichten erzählen will, dass die Show durch ihre Bilder und die Musik wie eine imaginäre Reise funktionieren soll.

Dickinson drückt sich gewählt aus, er redet von Freiheit und fragt, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Beizeiten sei es nötig, für die Freiheit zu kämpfen, sagt er, womöglich sogar für sie zu sterben. Passend zur Ansprache spielt die Band „The Clansman“, ein Lied über einen schottischen Widerstandskämpfer, auf dessen Studioversion nicht Dickinson sondern sein zwischenzeitlicher Ersatzmann Blaze Bayley zu hören ist.

Anschließend ertönt „The Trooper“, eine ihrer bekanntesten Nummern. Eddie, das Maskottchen, kommt auf die Bühne und liefert sich einen Schwertkampf mit Dickinson, der die gesamte Show über eine unglaubliche Bühnenpräsenz hat, jeden Winkel ausfüllt und dabei wild herumwirbelt.

Das Publikum an diesem Abend deckt fast alle Altersgruppen ab, vor allem die Stehplätze vor der Bühne sind mit jungen Leuten gefüllt. Auf den Rängen sitzt man hingegen hochdekoriert mit Jeans- und Lederkutten, auf denen unmöglich noch ein weiterer Aufnäher Platz finden könnte.

Zur zweiten Hälfte des Konzerts wird das Bühnenbild rasant umgebaut. Die militärische Optik weicht einer kirchlichen. Hohe Buntglasfenster sind auf die Rückwand der Bühne gedruckt, wo vorher Tarnnetze lagen, ist jetzt sakrale Ornamentik zu sehen.

In diese Optik fügt sich der Song „For The Greater Good Of God“, eine Nummer über religiösen Fanatismus, geschrieben von Steve Harris, der heute wie bei jedem Auftritt Schweißbänder in den Farben des Fußballclubs West Ham United an den Handgelenken trägt. In seiner Jugend hatte Harris eine mögliche Profikarriere bei diesem Club für die Musik aufgegeben.

Grandiose Soli von Dave Murray

Das Konzert hat etwas Ritualisiertes. Nicht nur Harris‘ Schweißbänder sind ein wiederkehrendes Element bei Auftritten der Band. Bei den Aufbauarbeiten jedes Konzerts spielen sie zuletzt den Song „Doctor Doctor“ von UFO, Sänger Dickinson ist außerdem dafür bekannt, das Publikum stets mit der Aufforderung „Scream for me“ anzufeuern.

Das Ritualisierte löst ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aus und lässt dabei zum Glück genügend Freiraum für die kreative Umsetzung großangelegter Tourneen. Und in diesem Fall überzeugen Iron Maiden nicht nur optisch, sondern auch klanglich, zum Beispiel wenn Gitarrist Dave Murray eines seiner einfühlsamen Soli spielt, bei denen er mit geschlossenen Augen seine schnellen Melodien produziert.

Zum Abschluss findet Maskottchen Eddie noch einmal in Form eines riesigen aufblasbaren Kopfes mit Hörnern auf die Bühne. Die Band spielt „The Number Of The Beast“, Gitarrist Janick Gers schleudert wild sein Instrument um seinen Körper. Bis zum letzten Song „Run To The Hills“ sind die Musiker voller Energie. Dann verabschieden sie sich, und wie immer ertönt im Anschluss „Always Look On The Bright Side Of Life“.

Mehr zum Thema:

Guns N’ Roses in Berlin: Starke Gitarrensoli, mieser Sound

Lenny Kravitz wird in Berlin gefeiert

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.