Kultur

Konsequent werden die schrägen Töne durchgehalten

Es ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, wie genau Achim Zimmermann, der Leiter der Berliner Singakademie, im Konzerthaus seinen Chor im Verein mit der Kammerakademie Potsdam klanglich ausbalanciert. Das dissonanzenreiche „Chaos“ in Josef Haydns großem Oratorium „Die Schöpfung“ wird von der Kammerakademie in extremster Form dargestellt: Konsequent und ohne Vibrato-Schwebungen werden die schrägen Töne durchgehalten – was auch noch im außerordentlichen Pianissimo, das den Potsdamern zur Verfügung steht, eine bizarre Wirkung entfaltet. In fast vollster Unhörbarkeit verabschiedet sich das Klarinettensolo vor dem ersten Einsatz des Erzengels Raphael, der vom Bass Stephan Loges gesungen wird.

Loges verfügt über einen weichen und obertonreichen Bariton und kann die zahlreichen lyrischen Passagen seiner Partie klangvoll darstellen. Auch den Rest der Solisten hat Achim Zimmermann handverlesen: An Mozart geschult, hat die Sopranistin Anna Palimina prunkvolle Spitzentöne zur Verfügung, die sich aber stets in ihre elegant dargebotenen Koloraturen einfügen. Unter den in der Summe formidablen Solisten ragt Tenor Lothar Odinius als Engel
Uriel heraus. Die meisterhafte Balance von Solisten und Orchester zu seinem Chor ist in Achim Zimmermanns Dirigat vor allem in den komplizierteren Chorsätzen zu hören. Natürlich klingt ein Laienchor am besten in einem blockhaften homophonen Satz. Treten die einzelnen Stimmgruppen in der Fuge des ersten Teils „Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier“ noch etwas verzagt auf, so ist die Präsentation dieser Einzelstimmen in der späteren Fuge „Vollendet ist das große Werk“ an stimmlicher Durchschlagskraft und Klangfülle von einem professionellen Chor kaum noch zu unterscheiden – nur das sie oft feiner und filigraner wirken.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.