Kultur

Alle Arme hoch für LCD Soundsystem im Tempodrom

James Murphys New Yorker Disko-Rock-Party in Berlin

Die Combo hat in diesen Wochen ein paar gewaltige Auftritte bestritten, etwa in der Hollywood Bowl von Los Angeles, die 18.000 Zuschauer fasst. Ihr jüngstes Album war Nummer eins in den USA. Und auch in Berlin wird schnell klar: Das einstige Indie-Dance-Punk-Projekt LCD Soundsystem hat sich in eine Musik-für-die-Massen-Band verwandelt. So ist denn auch bei ihrem Auftritt das Tempodrom ausverkauft.

Zum Riff von „Get Innocuous“ kommen LCD Soundsystem auf die Bühne. Die ist bestimmt von dicken Synthesizer-Dinosauriern, nicht von modernem Firlefanz mit Display und 20.000 Sounds auf Knopfdruck. Bandleader James Murphy hat sich ins Zentrum drei, vier Maschinen gestellt, bei denen Töne erst durch fachgerechte Verkabelung entstehen. Stromleitungen hängen charmant unaufgeräumt über den Tasten. So wirkt das Ganze wie ein Labor aus einem 60er-Jahre-B-Film. Acht Bandmitglieder werden in den folgenden 135 Minuten darin umherflitzen, -schrauben und -schieben und ein unerbittliches Dance-Monster zum Leben erwecken.

Der Beat ist von der ersten Sekunde an unwiderstehlich. Die Lautstärke in den vorderen Reihen macht die Knie weich. Murphy klöppelt auf einer Cowbell. Das ist sicher kein leises Instrument, aber der Lärm seiner Spielkameraden ist so gewaltig, dass man davon genau so viel hört, als prügele Murphy auf eine Packung Taschentücher ein.

Er vermeldet früh, es sei doch recht heiß im Saal. Nach diesem Tag in Berlin ist das für keinen der Zuschauer eine besondere Überraschung. Der Bandchef macht den Spruch prompt zum Running Joke des Abends. Es ist wahrscheinlich auch die Hitze, wegen der nach einem Kurzcover von „Radio Aktivität“ die Synthies nicht vernünftig klingen und Murphy „I Can Change“ abbricht. „Die Maschinen sind sich uneinig“, ruft er.

Zuletzt recken sich wieder Tausende Arme zur Decke, als das Soundsystem „Dance Yrself Clean“ und „All My Friends“ abfeiert. Vor der Tür lassen sich die meisten Zuschauer dann auf den Stufen und Rasen des Tempodroms nieder, statt zügig Heim zu gehen. Merkwürdig. Das Disko-Monster scheint sie vorerst nicht loszulassen.