Kultur

Der Mann mit dem „Nanana nanana“

Jürgen Marcus war einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersänger. Mit 69 Jahren ist er nun an einer chronischen Lungenkrankheit gestorben

Wenn bei einer Schlagerparty irgendwann unweigerlich dieses Lied aufgelegt wird, singen alle mit: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“ Was für ein Spruch, was für ein Versprechen. Einige Bekannte haben es sogar als Sinnspruch an die Haustür gehängt. Noch berühmter freilich ist die nächste Zeile des Schlagers, die sich auch der Textunkundigste merken kann: „Nanana nanana.“ Jürgen Marcus hat sich mit diesen Zeilen und der beschwingten Melodie ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Nun ist er, wie erst jetzt bekannt wurde, Mitte Mai in München gestorben, wie sein Manager und Lebensgefährte Nikolaus Fischer am Dienstag bekannt gab. Marcus wurde 69 Jahre alt. In wenigen Tagen, am 6. Juni, wäre sein 70. Geburtstag gewesen.

Blonde Föhnmähne, ein strahlendes Lächeln, die typischen 70er-Jahre-Outfits und der schmissige Hüftschwung: So wurde Marcus bekannt. Dabei war der gebürtige Herner mit dem bürgerlichen Namen Jürgen Beumer eigentlich gelernter Maschinenschlosser. Doch schon früh trat er in seiner Heimatstadt mit verschiedenen Amateurbands auf. Und als er Ende der 60er-Jahre im Hippie-Musical „Hair“ die Hauptrolle ergatterte, hängte er den Schraubenschlüssel an den Nagel. Und änderte seinen Namen, weil der zu Verwechslungen mit dem Eiskunstläufer Hans-Jürgen Bäumer führte.

1970 traf Marcus auf Erfolgsproduzent Jack White. Der soll ihn, wegen zu schwarzer Zähne, erst mal zum Zahnarzt geschickt haben. Mit dem strahlenden Lächeln kamen die ersten Erfolge. „El Condor pasa“ (1970), dann „Nur Liebe zählt“ (1971) und schließlich der Song mit dem sinnfreien, aber sich festbohrenden „Nanana nanana“, der allein 15 Wochen in den deutschen Top Ten vertreten war.

Bis 1979 arbeiteten White und Marcus als Erfolgsteam zusammen, 23 Singles brachten sie heraus. Darunter auch „Ein Festival der Liebe“ (1973) oder „Ein Lied zieht um die Welt“ (1975), mit dem Marcus sich auch für den Grand Prix bewarb, der aber, kaum zu glauben, schon im Vorentscheid nur auf den neunten Platz kam. Er wurde sein wohl zweitgrößter Erfolg. Jürgen Marcus war Dauergast der ZDF-„Hitparade“, heimste viele Auszeichnungen ein und trat auch in Schlagerfilmen auf.

1979 trennte er sich von White, experimentierte mit anderen Produzenten, was eher glücklos blieb. Aber im Gegensatz zu einigen tragischen Sangeskollegen wie Rex Gildo oder Roy Black zerbrach Marcus nicht am Niedergang des Schlagers in den 80er-Jahren und sang auch später seine alten Hits immer wieder gern. „Ich bin ja dankbar, dass ich diese Lieder habe“, sagte er einmal. In den 90er-Jahren wechselte er dann die Seite und wurde selbst Musikproduzent. Und outete sich, als Erster in der Branche, als schwul.

2002 dann die erschütternde Diagnose: Marcus litt an der chronischen Lungenkrankheit COPD. 2012 zog er sich deshalb fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück, vor zwei Jahren dann der endgültige Rückzug aus dem Musikgeschäft. Am Dienstag nun gab Nikolaus Fischer, mit dem der Schlagerstar seit 20 Jahren zusammen war, bekannt, dass Jürgen Marcus den Kampf gegen die Krankheit verloren habe und in der gemeinsamen Wohnung gestorben sei. „Es war sein Wunsch“, so Fischer, „in aller Stille beigesetzt zu werden.“ Die Fans traf es überraschend. Seine Hits werden weiterleben.