Columbiahalle

Arctic Monkeys begeistern Berlin nach fünf Jahren Tour-Pause

Mit ihrem neuen Album „Tranquility Base Hotel & Casino“ zeigen die Briten Mut und präsentieren einen Abstecher in Richtung Lounge-Rock.

Die Arctic Monkeys auf der Bühne (Archivbild)

Die Arctic Monkeys auf der Bühne (Archivbild)

Foto: pa

Berlin. Was es noch nicht gab, als die Arctic Monkeys mit ihrer ersten Single „I bet you look good on the dance floor“ im Jahr 2005 ihren Durchbruch schafften: Menschen, die während eines Rockkonzerts in stetem Austausch mit einem Whats-App-Kontakt namens „Mücke“ stehen und an diesen regelmäßige Updates sowie Videos vom Konzert schicken. So gesehen am Dienstag, beim ausverkauften Konzert der Arctic Monkeys in der Columbiahalle. Als die berühmt wurden, hatte das Internet-Zeitalter gerade begonnen und Konzerte, wie auch alle anderen Orte, waren damals noch Smartphone-freie Zonen. Gute alte Zeiten!

Auch sonst hat sich in den 13 Jahren seit dem ersten Hit der britischen Rockband vieles geändert. Unter anderem auch ihr Sound, und das mehrfach. Was ja immer ein Wagnis ist. Auf dem aktuellen Album „Tranquility Base Hotel & Casino“ ist wenig geblieben vom Indie-Rock der frühen Tage, stattdessen klingt die Musik der Arctic Monkeys jetzt nach Lounge-Rock, streckenweise richtig spacig und hypnotisch, mit Jazz- und Funk-Elementen.

Der Beliebtheit der Band tut der Mut zum Experiment keinen Abbruch: In Großbritannien haben die Arctic Monkeys mit „Tranquility Base Hotel & Casino“ gerade einen Charts-Rekord gebrochen. In der ersten Woche ihres Erscheinens wurde die aktuelle LP mit 24.500 verkauften Exemplaren zum meistverkauften Vinyl-Album der letzten 25 Jahre. International war das sechste Album der Band aus Sheffield ebenfalls enorm erfolgreich: In 36 Ländern erreichte die Platte schon wenige Stunden nach seinem Erscheinen den ersten Platz der iTunes-Charts.

Nach fünf Jahren Pause tourt die Band mit ihrem neuen Album

Fünf Jahre mussten Fans der Band ohne neues Album und Konzerte auskommen. Jetzt ist die Rockband aus dem Norden Englands wieder auf Tour, und die Fans haben offenbar sehnsüchtig darauf gewartet: Der erste Konzerttermin in Berlin war innerhalb einer Stunde ausverkauft, die Band um Frontman Alex Turner gab kurz darauf einen Zusatztermin für den Tag darauf bekannt, für den es mittlerweile ebenfalls keine Karten gibt.

Die Band, deren Mitglieder noch Teenager waren, als sie ihre erste LP „Whatever people say I am, that’s what I'm not” veröffentlichten, beginnt ihr Konzert mit einem Titel vom neuen Album, der in Zeiten von Online-Bewertungen und dem Diktat von Google-Rezensionen geradezu allgegenwärtig klingt. In „Four stars out of five” besingt Frontman Alex Turner Phänomene wie Gentrifizierung und Meteoriten, es ist unter anderem von einer Taqueria auf dem Dach seines Hauses die Rede, die mit vier von fünf Sternen bewertet wurde – Texte von Rockbands müssen keinen Sinn ergeben, damit das Publikum sie auswendig beherrscht. Das sieht man auch an diesem Abend, denn viele singen sofort inbrünstig mit.

Neben Titeln vom neuen Album gab es auch viele alte Hits zu hören

Knapp neunzig Minuten spielen die Arctic Monkeys vor einem begeisterten Publikum, das wirklich die meisten Lieder nach einem Takt erkennt, erstaunlich textsicher ist und auch bei weniger eingängigen Titeln vom neuen Album wie „She looks like fun” mitgeht, tanzt und jubelt. Natürlich rasten alle aus, als die Arctic Monkeys ihren einen, den riesigen Hit spielen – „I bet you look good on the dancefloor” – ohne den keine Indie-Rock-Disco auskommt und den die Band auch 2012 bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele in London performte, was ein guter Indikator ihres Ruhms in der britischen Heimat ist.

Das tanzbarste Lied des Abends kommt ganz zum Schluss: Vor gröhlenden Fans spielen die Arctic Monkeys als Zugabe unter anderem „Snap out of it“. Den enorm chartstauglichen Titel ihres fünften Albums „AM“ an diesem Abend zu hören, zeigt noch einmal eindrucksvoll, wie weit die Arctic Monkeys sich vom fast poppigen Sound des Vorgängers entfernt haben. Ein mutiger Schritt, weg von der Indie-Disco in Richtung Lounge. Die Zeit, sie vergeht eben.