Kultur

Johnny Marr sorgt für Euphorie im Festsaal Kreuzberg

Diese fünf Jahre in einer der einflussreichsten Indie-Rockbands von der britischen Insel hängen ihm wie ein Klotz am Bein. Mit seinem prägnanten, perlenden, oft melancholischen Spiel prägte der virtuose Gitarrist Johnny Marr den Sound der Rockband The Smiths, zeichnete gemeinsam mit Sänger Morrissey auch für die meisten Songs verantwortlich. Als er The Smiths 1987 verließ, bedeutete das auch das Ende für die geradezu kultisch verehrte Band aus Manchester.

Am Pfingstmontag steht der Ausnahme-Musiker nun auf der Bühne des prall gefüllten Festsaals Kreuzberg. Es ist das einzige Deutschlandkonzert seiner aktuellen Tournee, auf der der 54-Jährige sein in den kommenden Tagen erscheinendes, drittes Album „Call The Comet“ vorstellt. Mit dem poppig-treibenden neuen Song „The Tracers“ eröffnet der schlaksige Gitarrist und Sänger sein Berlin-Konzert und hat das Publikum von Anfang an auf seiner Seite.

Als gleich als zweites Stück „Bigmouth Strikes Again“ der Smiths durch den Saal wogt, ist der Jubel überbordend. Die Fans haben die stilprägende und einflussreiche Band nicht vergessen. Auch wenn er gesanglich – diesen Vergleich muss Marr sich gefallen lassen – dem tenoral-pathetischen Morrissey nicht das Wasser reichen kann, macht er seine Sache doch sehr ordentlich. Und brilliert umso mehr mit seinem wunderbaren, melodieseligen, von Arpeggien durchzogenen Gitarrenspiel.

Viele neue Songs gehören zum Repertoire, darunter das locker-leichte „Hi Hello“. Auch seine Zeit mit Electronic streift Johnny Marr mit „Getting Away With It“. Doch am größten ist die Euphorie im Publikum, wenn schwelgerische Smith-Songs wie „The Headmasters Ritual“ oder „How Soon Is It Now“ die 1980er-Jahre beschwören.

Immer wieder wechselt Marr zwischen Fender- und Gibson-Gitarren, holt mal aggressive, mal poetische, mal geradezu psychedelisch schwebende Töne aus seinem Instrument. Beim Finale, der vierten und letzten Zugabe, wird noch einmal hemmungslos der gloriosen Vergangenheit gehuldigt. Alles singt den Smiths-Klassiker „There Is A Light That Never Goes Out“ lauthals mit. Bis zur letzten Strophe.