Kultur

Gut gegen Böse

Die Flying Steps kehren mit ihrer Erfolgsshow „Flying Illusion“ zurück nach Berlin

Blitze donnern unheilvoll vom düsteren Himmel und Hauskuben fliegen über die Köpfe hinweg. Mittendrin direkt aus der Unterwelt die infernalischen Dark Illusions, die jedes Leben auf der Erde auslöschen wollen. Mehr Untergangsstimmung geht nicht. Doch hier kommen nicht die üblichen Weltenretter wie die Avengers gleich um die Ecke, sondern die Flying Heroes. Sie kämpfen auch nicht mit Hightech. Ihre Waffen sind Powermoves, Freezes, Salti und Flic-Flacs. Handelt es sich bei ihnen doch um die weltbesten Breakdancer. Die gehen bekanntlich keinem Tanz-Battle aus dem Weg.

Mit ihrer Urban-Dance-Show „Flying Illusion“ melden sich die Flying Steps zurück in ihrer Heimatstadt Berlin. Die Show feierte bereits 2014 im Tempodrom Premiere. Dennoch zele­brieren die vierfachen Breakdance-Weltmeister und Echo-Gewinner im Theater am Potsdamer Platz mehr als eine einfache Wiederaufnahme. Es ist ihre triumphale Rückkehr nach langen Tourjahren rund um den Globus mit 650.000 begeisterten Zuschauern in 35 Ländern.

Ein Sinfonie-Orchester spielt den Soundtrack

Nun erobern die Flying Steps zu ihrem 25. Geburtstag eine der größten Bühnen der Stadt mit einer tänzerisch und technisch perfekten Produktion. Nonverbal und familientauglich ausgeheckt vom künstlerischen Direktor Vartan Bassil, einem Gründungsmitglied der Flying Steps. Er wollte mit dem Breakdance raus aus den Hinterhöfen. „Von der Pappe aufs Parkett“, so lautete sein Ziel, das längst eindrucksvoll erreicht ist.

Echte Hip-Hop-Vibes, die typische Musik der Breakdancer, hört man in der Show allerdings kaum. Dafür einen epischen Elektrosoundtrack. Komponiert von Ketan und Vivan Bhatti, eingespielt von einem 34-köpfigen Sinfonie-Orchester. Dazu kommen punktgenaue, effektvolle 3-D-Projektionen einer seelenlosen futuristischen Stadt auf mobilen Leinwänden.

Vor dieser dystopischen Kulisse entspinnt sich der Kampf Gut gegen Böse. Doch wer die Bad Guys und wer die Good Guys sind, ist noch nicht ganz entschieden. So liefert sich Ukay einen virtuosen akrobatischen Fight gegen seinen eigenen Schatten, bevor er von seinen inneren Dämonen übermannt wird und auf die dunkle Seite wechselt. Es geht aber auch andersherum, wie die Lovestory zwischen dem Flying Hero Benny und der Dark-Illusion-Amazone Kalli zeigt. Eine bitterzarte Romeo-und-Julia-Romanze, in der die Liebe den Tod überwindet.

Die Story kann man letztlich getrost vernachlässigen. Schließlich ist von Anfang an klar, dass die Dark Illusions am Ende die nächsten 10.000 Jahre im siebten Kreis der Hölle schmoren werden. Im Vordergrund stehen eindeutig die Tänzer mit ihrem einzigartigen Können, starken Ensemble-Choreografien und Wahnsinns-Solo-Einlagen. Etwa von RubberLegz, der Arme und Beine hinter dem Kopf verknoten kann. Ganz so, als seien sie aus Gummi. Oder von Junior, der locker auf Händen über die Bühne läuft. Darüber vergisst man nur zu gern, wer gegen wen kämpft.

Theater am Potsdamer Platz, Marlene-Dietrich-Platz 1, Mitte, Tel. 47 99 74 77, bis 10.6., 23.–25.5., 30.5.–1.6., 5.–8.6. um 20 Uhr, 26.5., 2. & 9.6. 16 & 20 Uhr, 27.5. 15 & 19 Uhr, 28.5., 4.6. 19 Uhr, 3.6. 14. & 18 Uhr, 10.6. 15 Uhr