Kultur

Exotisch, aber nur durchwachsen: Schumanns „Peri“

Zuerst die Absage von Sir Simon Rattle, dann noch eine Erkrankungswelle bei den Philharmonikern: schwierige Aufführungsverhältnisse für Robert Schumanns „Paradies und die Peri“, das nun mit Aushilfsdirigent und zahlreichen Ersatzbläsern über die Bühne der Philharmonie gehen muss. Dabei gehört gerade Schumanns „Peri“ zu jenen Werken, die besonders auf die Hilfe seiner Interpreten angewiesen sind. Denn abgesehen vom interessanten Gattungs-Mix aus Oratorium, Oper und Kantate bietet Schumann hier ziemlich konventionelle Melodik und Harmonik. Ganz so, als hätte er sich an Komponisten von Händel bis Schubert orientiert – und zwar im Sinne gediegener Stilkopien. Zumal Schumann das exotische Potenzial seiner Vorlage kaum ausnutzt, eine Vorlage namens „Lalla Rookh“ vom irischen Dichter Thomas Moore. Es ist ein Orient-Epos, das religiöse Überlieferungen aus Indien, Ägypten und Syrien verknüpft und mit christlichen Symbolen anreichert. Mittendrin: die unglückliche Fee Peri vor dem Himmelstor. Wegen schwerwiegender Vergehen darf sie zunächst nicht passieren. Erst muss Peri eine „Gabe“ finden, „die dem Himmel genügt“. Am Ende werden es die Reuetränen eines schuldbeladenen Mannes sein, der ein reines Kind erblickt. Der Himmel ist gerührt, Peri darf ins Paradies.

Und was macht Schumann? Er inszeniert diese Reuetränen im reinen Schubert-Chor-Stil. Und lässt beim anschließenden „Es fällt ein Tropfen auf’s Land Ägypten“ dann doch noch sein eigenes Genie aufblitzen. Plötzlich ist es da, das Unergründliche, Tiefschürfende, Zauberische – auch bei den Philharmonikern, die zuvor über weite Strecken durchwachsene Leistungen zeigten. Das liegt nicht zuletzt am finnischen Dirigenten Mikko Franck, der Anfang des Jahres schon mal für Seiji Ozawa eingesprungen war und mit einer spielfreudigen Version von Ravels „L’Enfant et les sortilèges“ begeistert hatte. Diesmal hört es sich allerdings so an, als habe er Schumanns „Peri“ nicht wirklich in seinem Repertoire. Zumindest nicht so, dass Mikko Franck den Philharmonikern innerhalb kurzer Zeit Überzeugungskraft einflößen könnte.

Der Rundfunkchor ist es, der für musikalische Kontinuität sorgt. Er ist es aber auch, der mal Esprit versprüht, mal verführerisch blinzelt, dann wieder triumphale Kräfte mobilisiert und schließlich Glück und Wärme ausstrahlt. Durchmischt dagegen die Solisten: Sally Matthews hat ihre Peri breit angelegt, Gerhild Romberger kommentiert das Geschehen herb und direkt. Mark Padmore aber berührt und fasziniert zugleich – durch erzählerische Präsenz und lebendige Farben.