Kultur

Ab in den Wald

Eine Installation von Claudia Comte in St. Agnes thematisiert das Verhältnis zur Natur

Wie im Wald fühlt man sich, wenn man zwischen den sechs Meter hohen Fichtenstämmen im Schiff der ehemaligen Kirche St. Agnes hindurchgeht. Allein die Befestigung der 600 bis 700 Kilogramm schweren Giganten in dem hohen Raum der Galerie König war eine Herausforderung. Mit einem Kran wurden sie durch ein Fenster im Dach gehievt. 20 Stämme hängen nun von der Decke herab.

Die Künstlerin Claudia Comte, die 1983 in einem kleinen Ort in der Schweiz geboren wurde, liebt den Wald. Er erinnert sie an ihre Kindheit und ist für viele ihrer Skulpturen ihr bevorzugtes Material. Dabei scheut sie sich nicht, richtig anzupacken. Die Bäume für die Stämme ihrer Installation hat sie selbst ausgesucht und auch beim Fällen geholfen. Mit der Kettensäge hat sie die Rinde entfernt und die kleinen Öffnungen eingesägt, die auf unterschiedlicher Höhe in den Stämmen Platz für Skulpturen aus anderen Materialien schaffen, neben Holz auch Marmor und Bronze. Ganz verschiedene Gebilde findet man da: nachgebildete Pilze, Kakteen, Seesterne, spiralförmige Muschelgehäuse oder einen Tannenzapfen, aber auch abstrakte, amorphe, an Jean Arp erinnernde Formen – und dann wieder Relikte unserer „Zivilisation“: eine eingedrückte Coladose und eine ebenfalls zerdrückte Plastikflasche, traurige Hinterlassenschaften, die man heutzutage überall in der Natur findet, hier allerdings aus Marmor und Bronze.

Einen besonderen Reiz bekommt die Installation dadurch, dass sie architektonisch den Raum erweitert. Denn das im zweiten Stock liegende Kirchenschiff von St. Agnes ruht auf mehreren Betonpfeilern im Untergeschoss. Die Baumstämme sind so angeordnet, dass sie die Pfeiler verlängern. In einem Soundtrack sind kirchliche Gesänge zu hören. Ansonsten lauscht man sphärischen Klängen und Naturgeräuschen: Vögelgezwitscher, Gewitter und Regengeprassel. Wie schön doch Regen im Wald klingen kann!

Betrachtet man dabei eines der Videos mit unberührten Landschaften in Kirgisistan, Indonesien und Papua-Neuguinea, versinkt man gänzlich in einer stillen Meditation über die Natur und unser Verhältnis zu ihr. Berge, Täler, Schluchten und Lichtungen sind hier aus einer festen Kameraposition aufgenommen. Rauch dringt aus einer Holzhütte, das Wasser eines Baches bewegt sich im Fluss oder am Himmel ziehen gemächlich Wolken vorbei.

St. Agnes, Alexandrinenstr. 118–121, Kreuzberg. Di.–Sbd. 11–19 Uhr. Bis 24. Juni