Kultur

Zum Leben erweckt

„Margiana“ – eine Ausstellung über ein geheimnisvolles Königreich aus der Bronzezeit in Turkmenistan mit Fotografien von Herlinde Koelbl

Als der sowjetische Archäologe Viktor Sarianidi (1929–2013) im südlichen Teil der Wüste Karakum den Siedlungshügel Gonur Depe entdeckte, wusste er noch nicht, dass er auf eine bisher unentdeckte Hochkultur aus der Bronzezeit gestoßen war, eine geheimnisvolle Königsstadt im Osten Turkmenistans, durch die damals der Fluss Murgab floss, der aus der Region fruchtbares Land machte.

Rund um eine vermutlich mehrstöckige Palastanlage aus repräsentativen Sälen und Licht spendenden Innenhöfen waren einfache Wohnräume angesiedelt. Mehrere Ringe von Burgmauern mit Türmen und Schießscharten umgaben die Stadt und trennten den Palast von den Stätten, in denen Keramik gefertigt und Metall verarbeitet wurde.

Aus den unterschiedlichen Grabanlagen lässt sich eine gesellschaftliche Hierarchie ablesen: Einfache Leute wurden in Gruben bestattet, die Reichen und Mächtigen bauten sich aus getrocknetem Lehm unterirdische Grabhäuser, oft mit mehreren Räumen, in denen wertvolle Gegenstände wie Gold- und Silberobjekte, Schmuck, Siegel und Steingefäße aufgefunden wurden, aber auch vierrädrige Wagen sowie Skelette von Kamelen, Schafen, Hunden und auch Menschen, vermutlich Bedienstete, die ihren Herren in den Tod folgen mussten.

All das ist nun im Neuen Museum zu bewundern, dem es erstmals gelungen ist, etliche dieser Schätze in einer Ausstellung zu versammeln. Begleitet werden die Artefakte – darunter kleine Figurinen von Göttern, Menschen und Tieren, fein gearbeitete Mosaike, Kosmetiktiegel, Gold- und Steinperlenschmuck und vor allem die hoch entwickelte Keramik – von Aufnahmen der renommierten Fotografin Herlinde Koelbl. Ihr Auftrag war es, die Magie Turkmenistans einzufangen, nicht nur der alten Kultur der Margiana, wie die Region genannt wurde, sondern auch des modernen Turkmenistans mit seiner surreal anmutenden Hauptstadt Aschgabat ganz aus weißem Marmorstein und der Landbevölkerung bei Mary weiter östlich. Von den Menschen dort war Herlinde Koelbl gleich fasziniert: "Die Menschen sind ausgesprochen freundlich. Sie zeigen diese innere Präsenz, wenn man sie fotografiert, und haben eine Offenheit anderen Menschen, der Kamera und dem Fremden gegenüber. Das hat mich tief beeindruckt."

Bei den Fotografien der Ausgrabungsstätten ging es ihr vor allem um eines: "Ich wollte sie zum Leben erwecken, ein Gefühl dafür entstehen lassen, dass hier wirklich einmal eine Stadt war und nicht nur alte Lehmmauern. Entscheidend dafür war das Licht, ein kurzer Moment in der Morgendämmerung." Auch alle Artefakte in der Ausstellung, insgesamt 230 an der Zahl, hat sie fotografiert.

Neues Museum, Bodestr.: Mo, Di, Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr. Bis 7.10.

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