Konzert in Berlin

"Talking Jazz": Jazz-Trio für kurze Zeit mit Till Brönner

Trompeter Till Brönner, Gitarrist Al Di Meola und Akkordeonist Fausto Beccalossi musizieren gemeinsam im Pierre Boulez Saal.

Ein begnadeter Virtuose, aber kein ebensolcher Moderator: Till Brönner

Ein begnadeter Virtuose, aber kein ebensolcher Moderator: Till Brönner

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin. Schwärmt ein Jazzer von Weltrang wie Till Brönner von einer „Traumbesetzung“, bevor auch nur eine Note gespielt wurde, steht etwas Großes an. Die Besetzung von Akustikgitarre und Akkordeon mag auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig anmuten. Doch wenn an den Instrumenten zwei Ausnahmemusiker zu hören sind, steht ein Konzert der Extraklasse an, an das man sich lange erinnern wird.

Kein Geringerer als Al Di Meola, seit Mitte der Siebziger einer der besten und populärsten Jazz- und Jazzrockgitarristen, gibt sich die Ehre im Pierre Boulez Saal. Begleitet wird er vom Akkordeonisten Fausto Beccalossi. Ein fulminanter Abschluss der von Till Brönner kuratierten Reihe „Talking Jazz“. Als Gesprächskonzert angekündigt, ist Teil fünf überwiegend Konzert. Zum Glück, möchte man sagen. Denn Brönner ist zwar ein begnadeter Virtuose auf dem Flügelhorn, das er auch an diesen Abend dabeihat. Ein ebensolcher Moderator ist er nicht. Im zehnminütigen Gespräch mit Al Di Meola entlockt er der lebenden Legende nichts, was man nicht schon wüsste, oder binnen Minuten aus dem Internet extrahieren könnte. Besonders genau will es Till Brönner bei der Frage wissen, ob Al Di Meola sich eigentlich mit dem anderen Gitarren-Großmeister, Paco de Lucía, einen Wettstreit geliefert hat? Di Meola verneint erwartungsgemäß. Man habe sich vielmehr gegenseitig inspiriert, verrät er. Das Resultat sind immerhin drei gemeinsame Alben.

Natürlich redet der 63-Jährige auch über jene Zeit, als er mit 19 Jahren vom Jazz-Pianisten Chick Corea entdeckt wurde und in dessen Band spielte. Die schönsten Geschichten erzählt er aber, wenn er über seine Kompositionen spricht. Dann ist er ganz bei sich. Wie auch beim Spiel auf der Gitarre. Da erweist er sich mit Fausto Beccalossi wahrlich als Traumbesetzung.

Kompositionen und Cover

Obwohl ein großer Teil des Musik-Equipments fälschlicherweise am Flughafen in Frankfurt gelandet ist und beiden Musikern gerade mal ein Instrument geblieben ist, improvisieren sie damit grandios. Ganz so wie es sich für Jazzer gehört. Di Meolas Technik auf der Akustikgitarre ist atemberaubend. Hochgeschwindigkeit in den Läufen, dennoch jeder einzelne Ton klar und filigran. Mit Beccalossis Akkordeon gelingen komplexe, wunderschöne Klänge. Zart und voller Atmosphäre, kraftvoll und suggestiv. Schließt man die Augen, meint man vor glückseliger Leichtigkeit an der Decke zu schweben, gar zur DNA der Musik vorzudringen.

Das Duo interpretiert Kompositionen von Di Meola wie „Misterio“ oder das seiner Frau gewidmete Stück „Stephanie’s Theme“. Auf dem Programm stehen aber auch geniale Cover von Kollegen. Wie Astor Piazzollas „Double Concerto“. Beccalossis Akkordeon klingt da tatsächlich wie das Bandoneon des argentinischen Tango-Nuevo-Begründers. Für zwei Songs klinkt sich auch Till Brönner mit seinem samtweichen Flügelhorn ein. Für einen Wimpernschlag ein sensationelles Trio. Mehr davon.

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