Stiftungsrat

Hartmut Dorgerloh ist neuer Chef des Humboldt Forums

Der Kunsthistoriker wurde einstimmig zum Generalintendanten berufen. Er übernimmt Deutschlands größtes Kulturprojekt.

Monika Grütters (CDU, l), Kulturstaatsministerin, und Hartmut Dorgerloh

Monika Grütters (CDU, l), Kulturstaatsministerin, und Hartmut Dorgerloh

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin. Nun ist es amtlich, obwohl seit März klar war, wen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für das hohe Amt des neuen Schlossherren auserkoren hat: Der Stiftungsrat bestätigte gestern Hartmut Dorgerloh einstimmig für fünf Jahre als ersten Generalintendanten im Humboldt Forum. „Als Ossi bin ich ja skeptisch über solche hundertprozentigen Wahlergebnisse“, scherzte er. Der Kunsthistoriker ist ab 1. Juni Nachfolger des Intendantentrios um den polyglotten Briten Neil MacGregor, der 2015 von Monika Grütters als „Weichensteller“ für das „Weltmuseum ganz neuen Typs“ berufen wurde. Mit Dorgerlohs erstem Berliner Arbeitstag endet die Intendanz von MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp. „Es ist absolut richtig, dass das jetzt ein Deutscher macht“, so MacGregor. „Nur ein Deutscher versteht diese Strukturen.“ Er spricht damit das neue „Governance“-Modell an, das die Autonomie und Verantwortungsbereiche der einzelnen Akteure im Humboldt Forum vertraglich regeln soll.

Der 55-jährige Sohn eines Theologen, in Potsdam aufgewachsen, hat unbestritten Führungsqualitäten, seit 2002 leitet er die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam. Kurz: Er kennt sich mit dem Machtgefüge aus. Wo immer man auch nachfragt, intern wird die Wahl Dorgerlohs positiv bewertet. Er habe Kommunikationstalent, das es braucht, um die verschiedenen Partner mit so unterschiedlichen Interessen im Humboldt Forum an einen Tisch zu bringen, attestieren ihm die einen. Er sei professionell, aber ohne Dünkel, könne bestens moderieren, sich aber durchaus durchsetzen, sagen andere. Und er hat gute Kontakte zu Grütters, das kann nur von Vorteil sein, das Humboldt Forum ist ihr internationales Vorzeigeprojekt, das „aus einem Guss“ sein soll. Aus „einem Guss“ heißt vor allem: Dorgerloh muss Pläne und Ideen der Akteure, also der Staatlichen Museen, des Landes Berlin, der Humboldt-Universität koordinieren. Welcher Spielraum ihm tatsächlich bleibt, wird sich zeigen. Ein Kooperationsvertrag soll klären, wie die Verantwortlichkeiten der einzelnen Partner geregelt sind.

Jemand, der Dorgerloh gut kennt, ist Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der den langjährigen Generaldirektor der Schlösserstiftung als „Segen für die Stiftung“ bezeichnet. Eine Visitenkarte für Berlin. In den vergangenen Jahren habe er den Masterplan für den Erhalt der Schlösserlandschaft erfolgreich umgesetzt. Es sei ihm gelungen, die Interessen des Bundes und der Länder in der Stiftung auszutarieren. Es sei ihm geglückt, ein weiteres Sonderinvestitionsprogramm von 400 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 herauszuverhandeln. Zudem habe er es vermocht, historische Themen so aufzubereiten, dass sich dafür die Massen interessierten. Das zeigte sich etwa bei der Ausstellung „Friederisiko“ im Jubiläumsjahr „Friedrich 300“. Genau das schätzt Monika Grütters an Dorgerloh, „seine Fähigkeit, vom Publikum aus zu denken“. Im Humboldt Forum ginge „es nicht ausschließlich ums Museale, da geht es auch um Fragen der Präsentation, der Unterhaltung und der Wissensvermittlung“, erklärte sie in einem Morgenpost-Interview.

Dorgerloh ist bekannt als Netzwerker, seine Kontakte reichen tief in die Kultur- und Politikszene. „Er ist ein Feingeist, sehr gebildet und international erfahren“, sagt Jann Jakobs. „Er verfügt über großes Verhandlungsgeschick, wobei er seine Interessen auch knallhart vertritt.“ Jakobs hat das zu spüren bekommen im Streit über einen von Dorgerloh angedrohten Eintritt für den Park Sanssouci. „Dorgerloh bringt alle Voraussetzungen mit, um in der Schlangengrube Berlin erfolgreich zu sein“, prophezeit Jakobs.

Schon Monate bevor der Name Dorgerloh im Gespräch war, suchte Kulturstaatsministerin Grütters nach einem Intendanten, der die Gesamtpräsentation für das Humboldt Forum in die Hand nimmt. Eine Persönlichkeit, die am besten einmal nicht aus Europa stammt, sich im Dialog mit Kulturen auskennt, vielleicht auch eine Frau. Max Hollein etwa stand auf der Liste, derweil ist er Direktor des Metropolitan Museum in New York.

Mit Dorgerloh hat man sich für jemanden entschieden, der sich auskennt in der Stadt. Ähnlich war es bei der hausinternen Berufung des Musikethnologen Lars-Christian Koch, des neuen Doppelchefs der beiden Museumssammlungen aus Dahlem, des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst. Ursprünglich war die Museumsdirektorin Inés de Castro aus Stuttgart für diesen Posten vorgesehen, sie sagte ab. Koch war zuvor Interimschef des Ethnologischen Museums. Auch diese Berufung zeigt, wie heikel Personalentscheidungen im Humboldt Forum sind.

Der Druck auf das Humboldt Forum – als internationales Aushängeschild Deutschlands – ist immens. Selbst ein erfahrener Museumsmann wie MacGregor spürte die Mühen der Bürokratie. Er kam als Berater – und Teilzeit nach Berlin und wollte sich die „Königskrone“ im Schloss gar nicht ganz aufsetzen lassen. Vieles ging ihm bei der Umsetzung zu langsam. Er ist froh, dass Dogerloh übernimmt.

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