Klassik

Wohnung einrichten und Oper singen

Die Berliner Sängerin Annette Dasch zieht nach Wien. Im Konzerthaus präsentiert sie sich wieder am Dienstag

Portrait der Sopranistin Annette Dasch in der Deutschen Oper, Berlin

Portrait der Sopranistin Annette Dasch in der Deutschen Oper, Berlin

Foto: Daniel Schaler

Die SMS kommt vom Stuttgarter Platz. „Bin am Stutti, Baustellenstau.“ Annette Dasch ist auf dem Weg zur Deutschen Oper, wo sie zur Zeit die Rosalinde in Rolando Villazóns Neuproduktion der „Fledermaus“ singt. Das sei ja „ihr altes Opernhaus“ aus Westberliner Kindheitstagen, sagt Annette Dasch, als sie endlich aus dem Taxi steigt, hochgewachsen, durchtrainiert. Jetzt hat sie nicht die Muße der Opernbesucherin. Annette Dasch macht sich nach der „Fledermaus“-Vorstellung auf den Weg nach Wien, wohin sie mit ihrer Familie von Frankfurt aus ziehen wird.

„Bisher sind die Kinder immer mit uns mitgereist.“ Annette Dasch berichtet nicht ohne Stolz, dass die ältere Tochter selbst bei Wagner nicht aus Proben zu den ellenlangen „Meistersingern“ herauszubringen ist. „Sie hat in der Schusterstube im dritten Akt ein bisschen geschlafen und ist dann zur Festwiese wieder aufgewacht.“ Wie viele Opernbesucher, fügt Dasch grinsend hinzu.

Weggang unter Tränen

Zum Beginn der Schulpflicht muss die Familie nun Wurzeln schlagen. „Leider nicht in Berlin. Ich habe die acht Wochen hier jetzt total genossen und hatte einen richtigen Blues, als die Zeit vorbeiging.“ Dasch hat allerdings auch einen Fehler gemacht. Sie ging mit ihrer Schwester ins Grips-Theater. Das Musical „Linie 1“, Westberliner Nostalgie pur. „Ich habe von der ersten bis zur letzten Sekunde nur geheult. Ich hatte dieses Gefühl: O Mann, es ist doch irgendwie meine Stadt. Und jetzt mache ich aus Frankfurt den Schritt in die nächste Stadt, und es ist nicht Berlin.“

Es ist Wien. Dort gibt es die Staatsoper, die Volksoper und das Theater an der Wien – Bühnen, an denen Dasch und ihr Mann Daniel Schmutzhard regelmäßig zu tun haben. „Ich merke da gerade, dass ich ganz schön am Ackern bin. Ich muss die Wohnung einrichten und trotzdem noch eine gute Elsa im „Lohengrin“ an der Staatsoper singen.

Nostalgie ist immer dabei

Es ist jene Rolle, mit der Annette Dasch vor einigen Jahren bei den Bayreuther Festspielen debütierte – und in der polarisierenden Inszenierung von Hans Neuenfels nicht nur auf Zuspruch stieß. Ähnlich muss Dasch nun auch an der Deutschen Oper für ihre Rosalinde kämpfen. Sie spielt sie als vergnügungssüchtige Ehefrau, die nichts anbrennen lässt. Das gefällt nicht allen. „Einige kamen extra nach der Vorstellung ins Restaurant und fingen an, mit mir zu diskutieren. Aber das ist mir viel lieber als diese Buhs, die man von der Bühne aus entgegennehmen muss.“

Aber ihre Heimatstadt hat für Annette Dasch auch noch andere Seiten: Nostalgie ist immer dabei, wenn sie um die Krumme Lanke joggt, durch ihren alten Heimatort Zehlendorf spaziert – oder nach einer durchfeierten Nacht an der Hasenheide auf der Suche nach einem Taxi ist. Den Beruf allerdings wird Annette Dasch wohl nie vernachlässigen – jetzt nimmt sie die Titelrolle von Janaceks „Jenufa“ zum Lernen sogar in den Urlaub mit. „Was ich sonst nie tue. Aber so habe ich später nach hinten raus weniger Stress.

„Ein Abend mit Annette Dasch“, Konzerthaus am Gendarmenmarkt. 15. Mai. um 20 Uhr

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