Filme und Fotografien

Künstlerduo Taiyo Onorato und Nico Krebs im Neuköllner Kindl

Die beiden Schweizer Künstler beherrschen das Spiel hinter den Kulissen – mit genussreichen Irritationen.

Die Sache mit der Manipulation: Blick in die Kindl-Brauerei mit verschiedenen Arbeiten von Onorato und Krebs

Die Sache mit der Manipulation: Blick in die Kindl-Brauerei mit verschiedenen Arbeiten von Onorato und Krebs

Foto: Jens Ziehe/Photographie / BM

Berlin. Kaum hat man die Ausstellung im Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst betreten, schon ist man irritiert. Auf einer großen Leinwand klopfen junge Männer mit Vorschlaghämmern die Stadt Berlin kaputt. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Nur merkwürdig, dass bei aller Anstrengung doch nichts zu Bruch geht. Schaut man allerdings hinter die Kulissen, sprich hinter die Leinwand, auf welcher der Schwarz-Weiß-Film abgespielt wird, freut man sich, als habe ein Zauberer seine Tricks verraten. Nicht etwa die absurden Filmbilder lüften ihr Geheimnis, aber wenigsten der kaum zu ertragene Lärm: Hier steht eine mechanisch betriebene Apparatur, die Hämmer aller Art auf unterschiedliche Untergrundflächen fallen lässt: Metall, Glas, Holz und mehr. Schon muss man schmunzeln und versteht: Hier wird man auf intelligent-humorige Art hinters Licht geführt.

Das Schmunzeln hält sich während des gesamten Gangs durch die Ausstellung im Kindl, die Filme, Fotografien und Skulpturen des seit 2003 zusammenarbeitenden Schweizer Künstlerduos Taiyo Onorato, geboren 1979, und Nico Krebs, gleicher Jahrgang, zeigt. Unten sind vor allem die Filme zu sehen, die allerlei absurde Situationen zeigen: ein Pferd, das in ständiger Verrenkung Fliegen abwehrt, ein Freizeittänzer auf einem Schiffsdeck, der so wirkt, als sei er einem Charles-Chaplin-Film entlaufen, ein Dorf, dessen Bewohner in einem Ballspiel gegeneinander antreten und so aussehen, als wollten sie einen wilden Ringkampf austragen – alles vorgefundene, irgendwie abgedrehte Situationen, bei denen man sich ständig fragt, wie viel davon manipuliert ist. Manipuliert ist die Situation in einem anderen Film: Ein Hochhaus scheint angezündet zu werden und zu verbrennen. Am Schluss steht alles da wie zuvor.

Es sind diese kleinen Irritationen und Spielchen, die es so genussreich machen, die Arbeiten der beiden Künstler anzusehen. Sie machen Spaß! In der zweiten Etage sieht man vor allem Fotografien, die Themen der Filme vertiefen. „The Great Unreal“ heißt eine Fotoserie, die auf diversen USA-Reisen der beiden Künstler entstanden ist und ihnen zum internationalen Durchbruch verhalf. Dort stießen sie auf bekannte Bilder, Landschaften und Orte, die in Hollywoodfilmen unendliche Male vor ihnen abgespult wurden. Um dem etwas Befremdliches abzugewinnen, haben sie die Landschaften manipuliert: Hier mal eine Straße aus Pappe eingebaut, dort mal ein paar Pommes frites auf den Grand Canyon verpflanzt. Herrlich witzig ist das und schön surreal.

Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst. Am Sudhaus 3. Mi–So 12–18 Uhr. Bis 15. Juli

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