Kultur

Theatertreffen: Start mit sieben Stunden Castorf

Die Sehnsucht nach dem langjährigen Volksbühnen-Schauspieler Henry Hübchen scheint unter den Anhängern des Frank-Castorf-Theaters noch ein kleines bisschen größer zu sein als die nach dem Ex-Intendanten: „Henry, komm endlich nach Hause“, „Frank, komm nach Hause“ – der Weg vom U-Bahnhof Spichernstraße zum Haus der Berliner Festspiele ist mit entsprechenden Stickern plakatiert. Auch Sophie Rois, die sich vor Kurzem dem Ensemble des Deutschen Theaters angeschlossen hat, oder die Regisseure René Pollesch beziehungsweise Herbert Fritsch und sogar der Castorf’sche „Faust“ werden zur Rückkehr in die alte Heimat aufgefordert, nachdem das Experiment eines Neuanfangs mit dem Abgang des Kurzzeit-Intendanten Chris Dercon als gescheitert betrachtet werden darf.

Am Dienstag, und das erklärt wohl die Urheberschaft, war Castorfs an der alten Volksbühne herausgekommene „Faust“-Inszenierung als Voraufführung im Haus der Berliner Festspiele zu sehen, am morgigen Freitag eröffnet diese Arbeit das Theatertreffen. Die Premiere ist ausverkauft, wie auch die anderen ausgewählten Vorstellungen, von denen das „Nationaltheater Reinickendorf“ allerdings nicht gezeigt werden kann, weil die Produktion demnächst beim Festival im norwegischen Bergen gezeigt und vorher aufgebaut wird, wie Festspiele-Intendant Thomas Oberender bei der Theatertreffen-Pressekonferenz am Mittwoch sagte. Manchmal aber werden Karten auch zurückgegeben, insofern gibt es durchaus eine Chance, an der Abendkasse doch noch ein Ticket zu bekommen.

Wer sich nicht frühzeitig anstellen will, dem kann 3sat weiterhelfen: Im Rahmen der „Starken Stücke“ strahlt der Kultursender an den kommenden drei Sonnabenden zur Primetime jeweils eine Inszenierung in einer Fernsehfassung aus, den Auftakt macht „Woyzeck“ am 5. Mai, es folgen „Die Odyssee“ und „Trommeln in der Nacht“ (19. Mai). Wer Aufzeichnungen lieber in Gruppe schaut und damit ein bisschen Theatergefühl herstellen möchte, kann die drei Inszenierungen auch im Sony Center am Potsdamer Platz vom 11. bis 13. Mai sehen. Der Eintritt ist frei.