Kultur

Großes Gesumme an der Parkaue: „Die Biene im Kopf“

Das ungeduldige Gedränge der Kids ist groß. Sie umringen die Schauspielerin mit der VR-Brille, die sie auch mal ausprobieren wollen. Damit sie in eine virtuelle Realität eintauchen können. In diesem Fall bedeutet das, die Welt aus Sicht einer Biene wahrzunehmen. Doch nach einem halben Dutzend Zuschauern ist Schluss damit. Stattdessen geht es für alle in eine gigantische Bienenwabe. Zumindest muss man sich die Drehscheibe auf der Spielfläche als solche vorstellen. Denn die weißen Vorhänge drum herum und die aufgetürmten Schaumstoffteile in der Mitte sind mitnichten eine Wabe. Selbst, wenn die Bienenkönigin darunter hervorkommt, wie jetzt. Die entpuppt sich als bärtiger Typ, der absolut keine Lust auf Honigmachen hat.

Martin Grünheits Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs „Die Biene im Kopf“ mischt im Theater an der Parkaue virtuelle Realität mit rauer Wirklichkeit und Fantasie. Der Regisseur will viel auf einmal. Doch bei der Premiere zündet nicht jede Idee. Anfangs wird vor allem die flirrend auf die Vorhänge projizierte virtuelle Realität bestaunt, für die das Künstlerkollektiv CyberRäuber gewonnen werden konnte. Dadurch kann man sich bestens hineindenken in das Kind, das morgens aufwacht und als Biene über das Kissen krabbelt. Wie in einem coolen Computerspiel. Nur realer.

Die drei Schauspieler, die alle Bienen und Kind zugleich sind, erklären die Szenen. Etwa, wenn sich die Biene, vom süßen Duft angelockt, in eine rote Blüte verirrt. Dann verwandelt sich auch die Bühnenwabe in eine rote Blüte. Oder wie es ist, in der Schule als Biene über einen Tisch zu krabbeln, während die Schüler eine erschlagen wollen. Nebenher erzählen Jessica Gadani, Tim Riedel und Andrej von Sallwitz noch die Geschichte des Kindes. Das flieht nur zu gern aus der eigenen Wirklichkeit, weil die Eltern Alkoholiker sind und es sträflich vernachlässigen.

Es wird viel herumgelaufen und mitgemacht bei der Inszenierung, die sich fast ausschließlich auf der Drehscheibe entspinnt. Grenzen zwischen Schauspielern und Zuschauern gibt es nicht. Das kommt gut an. Doch der Reiz der flimmernden Projektionen lässt bald nach. Vor allem die virtuelle Realität fühlt sich eher nebulös an.

Theater an der Parkaue, Parkaue 29,
Lichtenberg, Tel. 55 77 52 52. Nächste
Termine 30.4., 14.–16.5., 11./12.6. um 10 Uhr