Antike Metropole

Spektakuläre Schau: Auf Zeitreise nach Pergamon

Der Künstler Yadegar Asisi zeigt im neuen Interim ein Panorama der antiken Metropole. Eröffnung ist im Sommer.

Yadegar Asisis 360-Grad-Panorama des Burgbergs von Pergamon

Yadegar Asisis 360-Grad-Panorama des Burgbergs von Pergamon

Foto: asisi

Berlin. Vor der Sanierung war das Pergamonmuseum Berlins bestbesuchtes Ausstellungshaus, heute ist es auch ein Sorgenkind. Die Baukosten verdoppelten sich mittlerweile und die Fertigstellung wird sich bis 2024 verzögern. So lange verbleibt der „Besucherliebling“ Pergamonaltar dick verpackt unter einer Schutzhülle, unsichtbar für Berliner und Touristen. Das schlägt auf die Ticketeinnahmen, auch wenn der Südflügel geöffnet ist. Diese Lücke soll nun das Pergamon Interim ausfüllen, ein temporäres Ausstellungshaus, gegenüber dem Bode-Museum hat es sein Domizil.

80 Skulpturen aus der Antikensammlung

Wer dieser Tage daran vorbeigeht, sieht, dass es nahezu fertiggestellt ist. 32,5 Meter hoch ist es, im Durchmesser 36 Meter, bei einer Länge von 104 Metern. 2000 Quadratmeter stehen zur Verfügung, die Ausstellungsfläche beträgt 960 Quadratmeter. „Wir sind auf der Zielgeraden“, versichert Christina Haack, Vize-Generaldirektorin der Staatlichen Museen. Klappt alles mit dem technisch aufwendigen Interieur, soll im Spätsommer, nach den Ferien, eröffnet werden.

Im Mittelpunkt des neuen Ausstellungshauses steht das riesige Panorama des Künstlers Yadegar Asisi. Ein überwältigender 360-Grad-Rundumblick auf die 300 Meter hohe Akropolis von Pergamon im Frühjahr 129. n. Chr. Bunte Fest- und Alltagsszenen sind zu sehen und die Unterstadt.

Von Asisi stammt übrigens auch das Mauer-Panorama am Checkpoint Charlie und jene erste Visualisierung zur Pergamon-Ausstellung 2011/12, die im Ehrenhof stand. Diese Version hat der Künstler nun überarbeitet und weiterentwickelt. Sie sei nicht nur größer und malerischer im Detail, auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Bebauung des Burgberges von Pergamon seien eingeflossen, erzählt Asisi. „Auf dem Burgberg zogen sich Wohnungen bis unter die Tempelanlage hinauf. Das Essen wurde hoch und runter gebracht.“ In der ersten Fassung erfuhr der Besucher zudem recht wenig über die Gesellschaft der Zeit und wie die Menschen damals gelebt haben. Zumal der Pergamonaltar als Opferaltar genutzt wurde, entsprechend martialisch ging es dort zu – auch dieses Thema haben Asisi und sein Team entsprechend umgesetzt.

Videoproduktion nimmt Zuschauer mit auf Zeitreise

40 neue Szenen hat er insgesamt hinzugefügt. Basis war ein Fotoshooting in einem Berliner Studio, kostümierte Komparsen stellten mithilfe eines Storyboards verschiedene Szenerien nach – die Grundlage für Asisis detaillierte Panorama-Ausführungen. Der Künstler reiste extra ins heutige Bergama (einst Pergamon), um sich ein Bild über Licht und Atmosphäre bei wechselnden Tages- und Nachtzeiten machen zu können. „Die Götter waren mit uns“, erzählt er lachend. So wird nun ein Klangteppich die verschiedenen Tag- und Nachtsimulation begleiten. 15 Minuten wird so ein Durchlauf dauern, wobei Asisi aus Erfahrung weiß, dass viele Besucher sich zwei oder drei Mal hintereinander die Visualisierung anschauen. Der Besucher wird sich dabei auf einer 15 Meter hohen Plattform über drei Ebenen vom Altar den Burgberg „hinunterarbeiten“, um dort „Auge in Auge“ den Protagonisten gegenüber zu stehen.

Das Panorama wird im Flachbau sinnvoll ergänzt durch neue historisch anmutende Großzeichnungen Asisis, die detailgetreu die Stadtanlage und ihre Architektur wie den Telephos-Fries interpretieren. Dazu gehört zudem eine 13 Meter große fantastische Videoprojektion, die den Besucher mit auf Zeitreise nimmt. Anfangs steht er im Altarsaal des Museums, „wandert“ um die antike Architektur herum, plötzlich löst sich die Museumswand auf, das Licht ändert sich und der Burgberg erscheint nun im aufgehenden Sonnenlicht. Ein Gesamterlebnis, das wohl niemanden unberührt lassen wird. In der Projektion erkennt man auch, wie das Umfeld des Altars aussah, wo und wie die einzelnen Skulpturen aufgestellt waren.

Mittels einer „Zwangsführung“ wird der Besucher durch das Pergamon Interim mit seinem Ausstellungsteil und dem Panorama geleitet. Man möchte damit erreichen, dass der Besucher beide Teile als „fließend“, also sinnvolle Ergänzung eines Ganzen wahrnimmt. Bei der Pergamon-Ausstellung 2011 war es so, dass viele Menschen entweder nur die Ausstellung oder lediglich das Panorama gesehen haben, ohne zu wissen, dass beides zusammengehört. Die Ausstellung wird auch – anders als 2011 – keine enzyklopädische sein, sondern sich auf Highlights der Antikensammlung konzentrieren. Jede Menge Skulpturen werden zu sehen sein: die eleganten Frauenstatuen auf dem Hof, der mächtige Herakles, die Porträts der Könige und die Prometheus-Gruppe. Und jene Exponate, die zur Ausstattung der reichen Paläste dienten, dazu zählt das feine Papageienmosaik.

Gelegentlich wird Asisi kritisiert, seine Panoramen seien eine historische Erfindung aus dem 19. Jahrhundert, nicht zeitgemäß. Der Berliner Künstler kann da nur gelassen abwinken. „Ich gebe im Panorama den Menschen die Zeit zurück!“

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