Kultur

Der Meister des Lichts

Stephan Erfurt, Fotograf und Chef der C/O-Galerie, hat einen Fotoband veröffentlicht. „On the Road“ zeigt großartige Bilder im Zwischenlicht

In den 80er- und 90er-Jahren war Stephan Erfurt als Fotograf unentwegt auf den Straßen dieser Welt unterwegs. Erst lange in den USA, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Osteuropa und später in Nordafrika und auch Australien. Für das Magazin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schoss er Fotoreportagen in der ganzen Welt. Seine Bilder prägten in den 90er-Jahren die Sicht auf die Vereinigten Staaten. „On the Road“ (Kehrer, 35 Euro) heißt deshalb der Bildband, den der heutige Vorstandsvorsitzende von C/O-Berlin veröffentlicht hat. „On the road – das war für 15 Jahre ehrlich gesagt mein Zustand“, sagt Erfurt bei einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Seine Fotoreportagen erzählen ganz ohne Text und oft auch ohne Personen große Geschichten über die Orte, die er besuchte. Seine Spezialität sind Aufnahmen im Zwischenlicht mit langen Belichtungszeiten. „Ich habe immer sehr früh vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gearbeitet“, sagt Erfurt.

Warum? Mit zwei Freunden sei er einst mit dem Auto durch die USA gefahren. „Der Klassiker damals.“ Besonders Las Vegas begeisterte ihn: „Diese Künstlichkeit des Lichts, fand ich immer beeindruckend – dort ist es nachts fast heller, als tagsüber.“ Diese Faszination für Licht hat Erfurt bis zur Perfektion getrieben. Die im Bildband veröffentlichten Fotos sind ein Querschnitt seiner Arbeit. Viele Bilder strahlen, obwohl in den frühen Morgenstunden aufgenommen, eine Morbidität und Vergänglichkeit aus, die an die Ästethik von Filmemachern wie Wes Andersen erinnert. Und nicht nur der Name des Bildbandes „On the road“ gleicht dem des berühmten Buches von US-Schriftsteller Jack Kerouac.

Erfurt wurde 1958 in Wuppertal geboren. Im Alter von 20 Jahren verließ er das Bergische Land. In Paris kam er zur Fotografie, in Essen studierte er und in den 80er-Jahren zog es ihn die USA. Seine ersten Geschichten für das „FAZ“-Magazin veröffentlichte er 1985. Bis zur Einstellung 1999, erzählt er, war er „per Handschlag ausgebucht“. Nachdem das Magazin eingestellt worden war, reichte es Erfurt, mit der Kamera durch die Welt zu reisen: In Berlin gründete er im Jahr 2000 gemeinsam mit dem Designer Marc Naroska und dem Architekten Ingo Pott das Fotohaus C/O-Berlin.