Kultur

Der Chefdirigent sucht den Kontakt zum Publikum

Robin Ticciati stellt seine zweite Saison beim DSO vor

Chefdirigent Robin Ticciati steht beim Deutschen Symphonieorchester Berlin vor der zweiten Saison. Nach der anfänglichen rückhaltlosen Begeisterung für Ticciati muss der Brite nun bei der Ankündigung in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden detailliert den Weg beschreiben, den er mit dem Orchester gehen will. Er beschreibt dies anhand der gerade zurückliegenden Probe der Stimmgruppen: Mit der Soloflöte und dem Solofagott habe er über zehn Minuten diskutiert, was es für sie genau heißt, unter seinem Dirigat zu spielen. Das soll zeigen: Ticciati nimmt sich, das ist als Chefdirigent seine ureigenste Aufgabe, Zeit für die Details, die langfristige Arbeit am Orchesterklang.

Doch auch mit dem Publikum möchte Robin Ticciati Tuchfühlung aufnehmen. Das ist klug. Denn das DSO-Publikum ist an Abonnenten stark. Selbst für das immer noch ungewohnte Format der zwanglosen „Casual Concerts“ ist das Interesse groß. Kürzlich waren rund 800 Zuschauer im Großen Sendesaal des RBB versammelt, nur um über die Pläne des DSO etwas zu erfahren. Um diesen regen Kontakt noch zu stärken, gibt der junge Chefdirigent ab kommender Saison zuweilen selbst Werkeinführungen.

Ticciati spürt die Verantwortung: Er muss zeigen, dass er bei einem deutschen Orchester richtig ist. Und so gibt es im Februar 2019 einen Brahms-Schwerpunkt. Alle vier Sinfonien des Komponisten werden dann aufgeführt, kombiniert etwa mit den konkurrierenden Zeitgenossen Schumann und Wagner, aber auch andere Berührungspunkte von Brahms in Vergangenheit und Zukunft berücksichtigend. Werke von Bach und Schütz spielen auf das musikphilologische Interesse des Hamburgischen Romantikers an, Musik von Aribert Reimann und Henri Dutilleux auf sein Fortwirken in der Neuen Musik seit Schönberg. Dass der Brite Ticciati seinen ersten Händel-„Messias“, das prägende klassische Werk seines Landes, ausgerechnet in Deutschland dirigiert, darauf kann das DSO stolz sein. In der Philharmonie wird es in der Vorweihnachtszeit eine szenische Version geben, eine „musikalische Meditation über den biblischen Text“. Prominente alte Bekannte werden sich beim Orchester ebenfalls die Ehre geben. Ein erster Höhepunkt im Herbst: die Neunte Sinfonie von Gustav Mahler unter dem DSO-Ehrendirigenten Kent Nagano.