Kultur

Schillernde Gestalten

Gemälde von Franziska Klotz in der Galerie Kornfeld an der Fasanenstraße

Merkwürdig antiquiert kommen die Porträts daher, die Franziska Klotz 2017 gemalt hat und jetzt in der Galerie Kornfeld in der Fasanenstraße zeigt. Man fühlt sich an römische Bildnisse erinnert, mitunter lassen sich orientalische Einflüsse in den Gesichtszügen erkennen. Keiner der Porträtierten wirkt alt, bei allen schimmert eine idealisierende Schönheitsvorstellung hindurch. Hindurchschimmern ist auf vielfache Weise das richtige Wort zur Beschreibung der Porträts. Denn keines der Modelle ist klar gemalt, vielmehr sind die Oberflächen der Bildnisse durchbrochen, durch Schlieren, Streifen und Flecken auf ihrer Oberfläche, durch das eigenmächtige Walten der Farbe auf der Leinwand.

Tatsächlich handelt es sich bei den Porträts nicht um Bilder von Zeitgenossen oder überhaupt von Lebenden. Es sind die Bilder von Toten aus einer fernen Vergangenheit. Schon in der Kindheit hatte die 1979 in Dresden geborene Malerin in ihrer Heimatstadt eine Ausstellung mit ägyptischen Mumienbildern gesehen und war nachhaltig davon berührt. Zu Lebzeiten der Porträtierten hatten diese Bildnisse von sich anfertigen lassen, alle idealisiert, um den Göttern im Jenseits mit diesem Antlitz gegenüberzutreten. „Memories of Tomorrow“ heißt die Ausstellung und nimmt damit Bezug auf die Porträts, die ursprünglich einmal von Lebenden im Vorgriff auf die Zukunft ihres Todes als Erinnerung angefertigt wurden.

Oft wurden sie auf Holz gemalt, das über die Jahrhunderte verrottet ist und die Bilder entstellt hat. Fotografien dieser Bildnisse haben Franziska Klotz dazu bewogen, eine Porträtserie dazu zu schaffen. Die Spuren der Verwitterung modelliert sie mit der Farbe, die ein Eigenleben auf ihren Bildern zu führen scheint, fast abstrakt wirkt, wie ein Schleier über der Gegenständlichkeit.

Neben den Einzelporträts, lose wie auf eine Pinnwand aufgespießt und übereinandergelagert, auf dem Gemälde „Tür“. Irgendwo ist eine Seite aus Walter Benjamins berühmten Text „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ aufgeklebt. Auf einmal entpuppen sich die Porträts als Meditation über Vergänglichkeit und Aufzeichnungsmethoden sowie der Malerei als robuste analoge Strategie der Aufbewahrung im digitalen Zeitalter.

„Malerei besteht für mich aus Experimenten mit Farbe“, sagte Franziska Klotz, die schon früh mit ihrem Medium in Verbindung kam, da auch ihr Vater Maler war. Bevor sie ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee aufnahm, studierte sie Gesang. Bis sie sich schließlich entschloss, den väterlichen Spuren zu folgen und eigene Wege zu gehen. Diese bestehen bei ihr in einem Nebeneinander von Figuration und Abstraktion. Bei Kornfeld zu sehen sind stark gestische Bilder etwa ein wunderbares Edelweiß oder das geheimnisvolle Gemälde „5 Dolly“ mit wie Mumien verhüllten Gestalten, aber auch beeindruckende rein abstrakte Komposition wie ihre Matschbilder.

Für die Malerin ist dieser Wechsel kein Widerspruch, im Gegenteil. Selbst wenn man ein gegenständliches Gemälde betrachte und nah herantrete, zeigt es sich schon abstrahiert: „Man sieht dann nur noch Farbe und Flächen.“ Zoome man einen Ausschnitt aus einem der Mumienporträts heran, dann habe man ein abstraktes Gemälde. Die Künstlerin tritt tänzelnd an die Wand heran und demonstriert es. Ja stimmt, das leuchtet ein.

Galerie Kornfeld, Fasanenstr. 26. Di.–Fr.
11-18 Uhr, Sbd. 11–16, bis 21. April.