Tatort

So verkorkst, wie sie tut, ist Heike Makatsch gar nicht

Ihr erster „Tatort“ enttäuschte. Mit ihrem zweiten Fall hat Heike Makatsch mehr Glück. Dafür musste sie allerdings die Stadt wechseln.

Ein ungleiches Ermittlerpaar: Ellen Berlinger (Heike Makatsch) mit ihrem neuen Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg)

Ein ungleiches Ermittlerpaar: Ellen Berlinger (Heike Makatsch) mit ihrem neuen Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg)

Foto: Julia Terjung / dpa

Neue Stadt, neuer Versuch. Ein Umzug ist ein oft bewährtes Mittel für einen Neustart. Beim „Tatort“ hat es das indes noch nie gegeben. Bislang waren Kommissare immer unverrückbar mit ihrem Einsatzort verbunden. Für Heike Makatsch aber hat man vor zwei Jahren eigens den Freiburger „Tatort“ entwickelt, da war noch nicht klar, ob das ein einmaliger Ausflug bleiben würde. Nun ermittelt sie ein zweites Mal. Wieder als „Tatort“-Special, wieder an Ostermontag. Aber diesmal in Mainz.

Keine schlechte Entscheidung. Der erste Makatsch-Fall war leider eher verquer. Damals ermittelte Kommissarin Ella Berlinger hochschwanger, weil ihre Darstellerin das zu der Zeit auch war, und kabbelte sich mit ihrer Mutter. Nun ist das Kind auf der Welt und die Mutter tot. Deshalb ist die Kommissarin nach Mainz gezogen, wo sich ihre Cousine (Jule Böwe) mit um ihr Kind kümmern kann. Das erklärt die Kommissarin einem Mann, der sie näher kennen lernen will. Was sie indes abwehrt: „Ich bin zu verkorkst für dich.“

Der zweite Fall „Zeit der Frösche“ ist kein Solo mehr für die Makatsch. Sie hat einen Kollegen an der Seite, der noch verkorkster scheint als sie. Kommissar Rascher (Sebastian Blomberg) sucht seit Jahren nach einem Serienmörder, der Jugendliche tötet. Der Fall lässt ihn nicht los, hat ihn gebrochen. Berlinger muss ihn immer wieder beruhigen. Dann verschwindet ein Mädchen. Und Rascher ist sich sicher, es muss derselbe Täter sein.

Erst mal wird nur ein blutdurchtränkter Kapuzenpulli in einer Altkleidersammlung gefunden, der auf eine Gewalttat hindeutet. Die gern kolportierte Regel, dass in einem „Tatort“ in den ersten fünf Minuten ein Mord geschehen muss, wird großzügig unterschritten. Die Leiche findet sich sogar erst nach fast der Hälfte des Films.

Dann aber verkehrt sich das Kräfteverhältnis der ungleichen Ermittler. Denn plötzlich ist auch der Sohn von Berlingers Cousine verschwunden. Das ist der Moment, das weiß auch der Krimi-Laie, wo ein Kommissar sich wegen Befangenheit aus den Ermittlungen rausziehen müsste. Berlinger kann das nicht, sie fühlt sich verantwortlich. Nun ist es Rascher, der sie stoppen muss.

Es ist ein sehr dichter und atmosphärisch stimmiger Krimi, den Drehbuchautor Marco Wiersch und Regisseur Markus Imboden da entwickelt haben. Ein Fall, bei dem alle lädiert sind, Opfer, Täter und Kommissare, und bei dem alle nur wie mit zugenähten Lippen reden. Der Film will vieles auf einmal, handelt auch von Erpressung und integriert den zaghaften Versuch einer Liaison der Ermittlerin. Aber vor allem geht es um ein Thema, das jeden Zuschauer, der selbst Kinder hat, aufwühlen muss: inwiefern wir unseren Nachwuchs wirklich verstehen. Und wissen, was er tut.

In Liebesdingen mag sich diese Kommissarin immer noch als verkorkst darstellen. Nach ihrem schlechten Start ist Makatschs Figur nun aber bei sich angekommen. Jetzt mag man ihr wünschen, dass sie auch weiter ermittelt. Nur verwandt sein sollte man mit dieser Kommissarin besser nicht. Weil deren Verwandtschaft offenbar immer mit in den Fall hineingezogen werden muss.

„Tatort: Zeit der Frösche“ Ostermontag, ARD, 20.15 Uhr