Kultur

Vom Aufstieg und Fall der Römischen Republik

Am Deutschen Theater werden „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius“ zu einem Stück: „Rom“

Die Buchstaben sind noch feucht, blutrot rinnt die Farbe: „Rom Republik“ hat eine Gestalt im Kapuzenpulli an die Wand gepinselt. Dann dreht sie sich um, zum Publikum. Und zeigt uns den Stinkefinger. So nämlich sieht’s aus mit der Demokratie, die uns hier im Deutschen Theater vorgeführt wird. In seinem Shakespeare-Destillat „Rom“ zeigt Autor und Dramaturg John von Düffel Aufstieg und Fall, vor allem Letzteres, der Römischen Republik. Dafür hat er die drei eher selten gespielten Shakespeare-Dramen „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Cleopatra“ zu einer Trilogie über Täter und Tyrannen und Manipulationen unter mächtigen Männern verschränkt. Aber weil Karin Henkel Regie führte, kommt auch die Rolle der Frauen in den Verstrickungen nicht zu kurz. Gerade erst wurde sie zum diesjährigen Theatertreffen geladen mit ihrer Inszenierung „Beute Frauen Krieg“, in der sie den Trojanischen Krieg aus Frauensicht verhandelt.

Coriolan zum Beispiel ist zunächst etwas schüchtern, doch Mama wird schon dafür sorgen, dass aus dem Filius ein Feldherr wird. Drei Übermütter stoßen von allen Seiten mit blutrotem Pinsel Wunden in ihn hinein, so lange, bis Coriolan so verschmiert aussieht, als sei er eben einer Schlacht entronnen. Nebenbei füttern sie ihn mit Parolen wie „Play the Game!“ und „Lerne zu leiden, ohne zu klagen“. Fertig ist die Ausbildung zum Kriegsführer. Allein, für die Politik fehlt es ihm an Diplomatie. Er verachtet das Volk. „Die Leute müssen dich lieben“. Sagt Mama. Er sagt: Is’ doch bullshit.“ Am Ende liegt er tot auf dem Tisch. Kate Strong fasst als bitterböse deutsch-englische Kommentatorin noch schnell den Rest zusammen und weiter geht’s.

Michael Goldberg, eben noch Coriolan, ist zack, zack rund 450 Jahre später jetzt Julius Cäsar. Auftritt Brutus (Felix Goeser), der sich beteiligt am Tyrannenmord, und Antonius (Manuel Harder). Ein starkes Männergespräch am Verhandlungstisch, in dem Brutus den Mord verteidigt, Antonius dagegen Cäsars angebliche Herrschsucht widerlegt. Wie dieser Abend überhaupt einige sehr starke Schauspielermomente zu bieten hat und ein paar schöne verdreht-satirische Szenen – aber politische Tiefe doch eher vermissen lässt. Und immer weiter kreist die Drehbühne, die sich mal zu einer Häuserschlucht öffnet, mal zu rumpeligen Hinterräumen schließt oder ein Podest mit Leichenbergen offenbart.

Ab nach Ägypten, zu Kleopatra. Anita Vulesica spielt sie berechnend, kühl. Antonius ist ihr verfallen. Bei Manuel Harder ist er ein runtergerockter, verlebter Kerl in Lederhose und T-Shirt mit Leopardendruck. Der übersieht, dass im Hintergrund Oktavius (hier von Benjamin Lillie und Camill Jammal als surreales Zwillingspaar mit Prinz-Eisenherz-Frisur verdoppelt) längst nach der Krone hüpft. Oktavius wird sie erhaschen und als quasi alleinherrschender Kaiser Augustus, der nach und nach die Verfassung außer Kraft setzt, all den Demokratiebewegungen vor ihm nun seinerseits den Stinkefinger zeigen.

Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Kartentel. 28 441 225. 22. 3. und 3. 4., je 19.30 Uhr.