Kultur

Carla Bruni in der Universität der Künste: Sinnlicher Touch

Carla Bruni interpretiert in der Universität der Künste Songs von Depeche Mode und den Stones – elegant und pur.

Carla Bruni

Carla Bruni

Foto: Davids/Dominique Ecken

Stimmgewalt ist es sicherlich nicht, die Musikliebhaber an Carla Bruni schätzen. Ihre Stimme klingt zumeist eher leise, in den Tiefen rauchig, in den Höhen schwingt ein sanftes Vibrato mit. Durchschnitt, könnte man meinen. Doch Brunis Stimme ist unverwechselbar. Genau wie sie selbst. Sie besitzt Charisma und braucht keinen spektakulären Auftritt. Auch, wenn sie bei ihrem Konzert in der Universität der Künste erst eine geraume Weile nach ihren Musikern die Bühne betritt. Das Vorrecht des Stars. Carla Bruni erscheint singend, mit strahlendem Lächeln. Bedankt sich für den Applaus artig auf Deutsch. Und beherrscht die Szenerie vom ersten Augenblick an mit charmanter Anmut, flirtet mit dem Publikum. Das reagiert verzückt und ist begeistert vom Versprechen, dass die schöne 50-Jährige beim nächsten Mal ein Lied auf Deutsch singen möchte. Eine Sprache, die selbst für die multilinguale Bruni schwer zu erlernen ist, wie sie zugeben muss.

Vorerst aber singt die gebürtige Italienerin, die in Frankreich aufwuchs, auf Englisch. Denn ihr fünftes Studioalbum „French Touch“ ist eine unkonventionelle Sammlung von angloamerikanischen Rock- und Popklassikern. Ein persönliches Mixtape, das manche Überraschung birgt. Wie Depeche Modes Song „Enjoy the Silence“, der ohne Synthesizer-Bombast tatsächlich mal leise daherkommt. Von Carla Bruni auf Melodie und Text reduziert, was erstaunlich gut funktioniert. Ein Rezept, das auch den Song „Miss You“ aus der eher üblen Disco-Phase der Rolling Stones zu neuem Leben erweckt.

Bei den Namen all der berühmten Musiker, deren Songs sie gecovert hat, überlegt mancher im Publikum, ob darunter nicht auch diverse Liebhaber aus Carla Brunis wilden Zeiten sind. Schließlich sagte man ihr in den Neunzigern unzählige Affären nach. Etwa mit Stones-Frontmann Mick Jagger und Schauspieler Kevin Costner. Damals war Bruni eines der bestbezahlten Models der Welt. Bis sie sich 1998 der Musik zuwandte.

Ihr Talent wurde Carla Bruni schon in die Wiege gelegt. Ihr Vater Alberto Bruni Tedeschi komponierte Zwölftonmusik, ihre Mutter Marisa Borini ist ausgebildete Konzertpianistin. Als Brunis Familie in den Siebzigern nach Paris zog, entdeckte die Sängerin ihr Faible zu Chanson und Musik. Eine Liebe, die sie nie wieder los ließ. 2002 gelang ihr mit dem Album „Quelqu’un m’a dit“ europaweit der Durchbruch als Singer-Songwriterin. Als sie 2008 den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy heiratete, lag ihre Karriere zwischenzeitlich auf Eis.

Längst steht Carla Bruni wieder regelmäßig auf der Bühne. Dort ist sie weder die Ex-First Lady noch das ehemalige Model, sondern ganz bei sich selbst. Wie jetzt. Mit offenem Haar und dezentem Make-up, in Schwarz gekleidet. Elegant und pur, wie auch ihre Musik. Carla Bruni macht sich jeden Song zu eigen. Sei es das wunderschön interpretierte „The Winner Takes It All“ von Abba oder Lou Reeds hier französisch beschwingtes „Perfect Day“. Überraschend auch die zarte Version des AC/DC-Evergreens „Highway to Hell“.

Jeder Song ist traumhaft arrangiert und instrumentiert. Brunis Band besteht aus exzellenten Musikern. Dem großartigen Taofik Farah an der Akustik-Gitarre, Xavier Sanchez an der Percussion, Johanne Mataly an Bass und Cello sowie Cyril Barbessol an Flügel, Akkordeon und Trompete.

Selbstredend gibt es auch viele Eigenkompositionen der Sängerin. Unangestrengte Lieder, die einfach Spaß machen. Wie „L’Amoureuse“ oder „Tout le Monde“. Egal, ob witzig-ironisch oder melancholisch-balladesk. Carla Bruni verleiht ihnen ihren unverkennbaren sinnlichen Touch.